Zu: Spendercrawl

Die aktuelle Titelgeschichte bei KoopTech, „Spendercrawl – Parteispenden-Analyse Teil 3“ endet mit der Frage: „Welche frei verfügbaren Daten könnten die Machtverhältnisse besser abbilden?“ (im Kontext von „Die tatsächlichen Machtverhältnisse bleiben offensichtlich im Netz verborgen. Vom bürgerlichen Lager ist kaum etwas zu sehen, …“).

Soweit ich die verwendete Analyse verstehe, ist sie beschränkt auf Internet-Netzwerke (bzw. öffentlich bekannte Kapitalverflechtungen – ganz nett, hilft aber offensichtlich auch nicht). Damit spiegeln diese Analysen vor allem die Kommunikationspräferenzen wider. Wie wir alle in den letzten Jahren beobachten konnten (z.B. im Umfeld der „Zensursula“-Debatte) sind die Kommunikations-Präferenzen stark mit Ideologien korrelliert. Um die Diskussion anzuschieben, postuliere ich folgende Korrelationen:

  • CDU/CSU-Anhänger treffen sich in der Kirche, auf Familienfeiern oder am Stammtisch. (Dabei ist eine erweiterte Interpretation von „Stammtisch“, z.B. der Wiener Opernball, zulässig :-)) – am „Stammtisch“ finden sie auch mit der FDP zusammen. Na gut, geschäftliche Besprechungen und Dienstreisen kann man hier auch mitzählen.
  • Die SPD-Anhänger treffen sich im weitesten Sinne bei Vorträgen (z.B. an der Uni), Versammlungen (z.B. im Zusammenhang mit Betriebsratsirgendwas) und Demonstrationen
  • Die Grünen treffen sich online, um ihre vielfältigen offline-Aktivitäten zu organisieren, bei denen sie sich dann auch „offline“ treffen.

Möglicherweise spiegelt das auch das Durchschnittsalter wieder, so weit würde ich jetzt eigentlich nicht gehen wollen 🙂

Damit wäre klar, wo man nach der tatsächlichen Vernetzung suchen müsste: Nur für die Grünen trifft eine online-Analyse den Nerv, die Netze der „Bürgerlichen“ könnte man mit den Methoden der Klatschpresse aufdecken und die der SPD mit den Methoden des BND 🙂

So, jetzt ist hoffentlich genug Öl ins Feuer gegossen für eine coole Diskussion 🙂

Vielleicht wäre eine Variante von XING interessant, bei der jeder „fremde“ Bekanntschaften eintragen kann. Z.B. Tanzpaare am Opernball, Familienverflechtungen, gemeinsame Gewerkschaftsauftritte usw. Damit’s funktioniert müsste man’s in zweierlei Hinsicht moderieren: Einerseits müsste sichergestellt sein, daß nur Personen des öffentlichen Interesses auftauchen, andererseits muß die Datenqualität sichergestellt werden, z.B. durch Review. Vielleicht kann man sowas einfach bei abgeordnetenwatch andocken?

Wer macht?

Ein Gedanke zu “Zu: Spendercrawl

  1. Du hast völlig recht – vielleicht daher die umfangreiche Diskussion bislang 🙂 Das vermute ich alles auch, aber da ich ja etwas wissenschaftlich bleiben wollte, habe ich mir solche Bemerkungen verkniffen und auf Einschätzungen „von außen“ gehofft. Wobei ich beim bürgerlichen Lager vermute, dass die Diskussionen wesentlich diskreter ablaufen. Wenn digital, dann eher per SMS als per Mail. Ich glaube auch, dass die persönlichen Bindungen hier noch wesentlich stärker sind. Macht ist gerne diskret. Wer keine oder kaum welche hat, wird wesentlich offener, transparenter, weil er ja erst noch überzeugen oder mobilisieren muss – oder weil er auch „nichts zu verlieren“ hat.

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