Karstadt und Medienkompetenz

Die inhaltliche Karstadt-Diskussion ist zu komplex, um sie hier zu kommentieren. Den kompletten juristischen Papierkrieg zum Thema kennen sowieso nur noch ein paar Anwälte, und mit weniger ist ein kompetenter Kommentar nicht zu machen.
Zur Diskussion in den Medien jedoch kann ich mir ein paar Anmerkungen nicht verkneifen, vor allem zu dem Artikel „Gewerkschaft bangt um Karstadt-Rettung“ bei Spiegel Online. Dieser Artikel enthält zwei interessante Widersprüche:

Erstens:

[Margret] Mönig-Raane [von ver.di] sieht Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in der Pflicht: „Er hätte hinter dem Bühnenvorhang mal Tacheles reden können, das hätte ich schon erwartet.“

Na bravo: Nach vorne jammern, und gleichzeitig fordern, daß „hinter dem Bühnenvorhang“ gearbeitet wird. Angenommen Herr Bundeswirtschaftsminister Brüderle hätte dieser Forderung tatsächlich entsprochen – woher wüssten wir es denn??? Doch nur, wenn es eine MEGA-Indiskretion gegeben hätte.

Zweitens:

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen […] erklärte: „Ein fairer Makler kann helfen.“ Wenn es um eine Einigung in schwierigen Finanzierungsfragen unter hohem Zeitdruck gehe, müsse und solle sich der Staat auf die Seite der Arbeitnehmer stellen.

Na was denn nun bitte? – Ein fairer Makler, oder einer, der auf der Seite der Arbeitnehmer steht?

Last but not least: Wir erleben hier – wie so oft – daß eine Verhandlung von Außenstehenden (Gewerkschaften, Politiker) in die Medien gezerrt wird. Davon wird erst einmal der Verhandlungsverlauf in die „falsche“ Richtung geschoben. Indem sich Politiker öffentlich in die Diskussion einschalten, signalisieren sie ihr großes Interesse am Thema. Und wenn Politiker sich für das Thema interessieren, kann man in der Verhandlung Vergünstigungen von ihnen verlangen. Das funktioniert aber nur, wenn die Verhandlungen sichtbar „ins Stocken geraten“. Politiker-Interesse an laufenden privatwirtschaftlichen Verhandlungen riskiert also, den einen oder den anderen zu einem „Bremser“ zu machen, um Subventionen zu erpressen. Diese Dynamik war bei Opel teilweise schön zu beobachten. Konkret würde ich das natürlich weder Berggruen noch der Valovis-Bank unterstellen. Darauf gibt es keine Hinweise – wie es auch sonst keine Hinweise gibt auf das, was da „hinter dem Bühnenvorhang“ abgeht.

Und das ist gut so.

P.S.: Ich halte es für normal, daß Verhandlungen in dieser Größenordnung erst in letzter Minute entschieden werden. Das steht so in jedem Buch über Verhandlungstatktik. Wenn eine der Parteien jetzt, eine Woche vor Torschluß sagt: „OK, so machen wir’s“ – da würde doch der andere Verhandlungspartner sofort das Gefühl bekommen, daß für ihn noch mehr herauszuholen gewesen wäre. Wenn das passiert, sagt der „andere“ „nein“ weil er versucht, ein für sich noch besseres Angebot zu bekommen. Und wenn aus keinem anderen Grund als für alle Beteiligten das Gesicht zu wahren können so öffentliche Verhandlungen praktisch nur „in letzter Minute“ entschieden werden. Öffentlichkeit ist für eine Verhandlung einfach hinderlich.

Das wissen sicher auch die genannten: Mönig-Raane, Brüderle und von der Leyen. Verhandlung ist ihr täglich Brot. Was bezwecken sie damit, das Thema in die Medien zu bringen?

Für uns Stimmvieh gilt: Abwarten, Tee trinken, Nerven bewahren, keep cool und so. Wie schon mehrfach gesagt: Was wirklich abgeht, steht sowieso nicht in der Zeitung.

Ein Gedanke zu “Karstadt und Medienkompetenz

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