Atomkraft

Zehn Tage nach Fukushima: Hier sind meine Gedanken zum Thema.

Ich erkenne das Ziel an, die Erde und ihre menschlichen, tierischen und pflanzlichen Bewohner vor den Gefahren der Kernkraft zu schützen. Doch Panik nützt niemandem.

  1. Metaphorisch gesprochen: Ich erkenne an, daß in Fukushima die Kuh noch nicht vom Eis ist. Ohne die Metapher: Die Möglichkeit, daß noch mehr radioaktives Material freigesetzt wird, besteht nach wie vor.
  2. Bisher ist die Lage in Fukushima tendenziell eher ein Beweis dafür, daß Menschen Kernkraft tatsächlich unter Kontrolle haben können: Im Angesicht einer Zwillings-Naturkatastrophe, bei der jede einzelne die Design-Ziele um einen Faktor fünf übertraf, ist die Lage nach wie vor weitgehend unter Kontrolle. (Ja, kritisch, und im Moment weitgehend unter Kontrolle. Siehe auch §1)
  3. Ein regionaler Atomkraft-Ausstieg in Deutschland nützt nichts. Deutschland verliert die Kontrolle über die Sicherheit von wenigstens einigen Reaktoren, und die Glaubwürdigkeit in Sicherheitsdiskussionen (-> Ingeneursdiskussionen) leidet. Der Sicherheitsgewinn für Deutschland ist dagegen eher überschaubar: Die meisten unserer Nachbarstaaten haben/planen/bauen Atomkraftwerke. Meine Meinung: Bitte mindestens Europa-weit diskutieren. Viel Spaß mit den Franzosen… Und dann ist das Thema der weltweiten Sicherheit immer noch nicht vom Tisch.
  4. Ich bin ein großer Freund von positiv formulierten Zielen. „Atom-Ausstieg“ ist für mich immer noch ein negativ (weg-von) formuliertes Ziel, so ähnlich wie „Rauchen aufhören“. Mit einer Formulierung wie „Umstieg auf Erneuerbare Energien“ könnte ich mich anfreunden, doch das hat zwei Haken: Es gibt kein plausibles Konzept dafür, und es wird voraussichtlich richtig teuer – je schneller wir den Ausstieg forcieren, umso teurer wird’s.  Mein Wunsch: Gerne auf die Tube drücken, und dabei mit Augenmaß vorgehen. Panik nützt niemandem.
  5. Bevor ich gesteinigt werde: Tatsächlich ist die größte Schwäche der Kernenergie, daß es auch dort kein akzeptables Konzept für den radioaktiven Müll gibt. Das wäre – im Vergleich zu Fukushima – eine lohnende Diskussion. Solange wir das Floriansprinzip dabei außer Kraft lassen
  6. Das Thema Energieversorgung ist untrennbar verknüpft mit dem Thema Wasserversorgung! (–>http://spectrum.ieee.org/static/e-h2o oder http://water.signtific.org/blog/)

In der Summe wünsche ich mir:

  • Ein Ende der Panik. Am besten jetzt, sofort. Erst wenn die Angst weg ist, können wir ein Thema dieser Wichtigkeit sinnvoll diskutieren.
  • Eine sachliche Diskussion. Ich habe niemandem seltsame Absichten unterstellt und möchte, daß mir auch niemand schräges Zeug unterstellt. Tim Berners-Lee warnt vor der Gefahr „kultureller Schlaglöcher“ (Democracy and the Internet: New Rules for New Times – Tim Berners-Lee – Europeaum Policy Forum, der Absatz beginnt mit „But at the same time…“), und an anderer Stelle wünschte er sich, daß die Menschen sich nicht um Meinungen versammeln sollen, sondern um Themen. Der Zweck dieses Artikels ist eine Diskussion um das Thema Energiepolitik.
  • Einen zügigen Umstieg von Kernkraft auf erneuerbare Energien, frei vom Floriansprinzip: Zügig und finanzierbar und konsequent umgesetzt. Wenn wir umsteigen wollen auf Erneuerbare, dann müssen die einschlägigen Projekte (Kraftwerke, Stromleitungen usw.) auch regional unterstützt werden.
  • Einen ganzheitlichen Blick auf das Thema E=H2O

Meine Quellen zur Lage in Fukushima im Lauf der letzten Woche sind unten. Dabei habe ich versucht, sachliche Informationen zu finden – das war in deutschen Medien leider kaum möglich. Vielleicht sind einige der Quellen nach deutschen Verhältnissen nicht ganz neutral, doch bevor die Diskussion über Neutralität der Quellen ausbricht, sollten wir die Diskussion über Sachlichkeit der Quellen hinter uns haben. Schön dazu war der Artikel in Spiegel Online, „Gute Kernkraft, böse Kernkraft

 

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