Was ist Qualität in der medizinischen Behandlung?

SPON berichtet über die Forderung nach mehr Transparenz im Gesundheitswesen. Ich bin versucht zu sagen: … Forderung nach noch mehr Transparenz im Gesundheitswesen. Der Artikel heisst „Patientenrechte: Experten fordern gläsernes Gesundheitssystem

Die im Artikel genannten Maßnahmen sind alle interessant, doch ich vermisse eine Definition von Qualität. Als Physiker weiß ich: Wer viel misst, misst viel Mist.

Die meisten Qualitätsschemata (z.B. die berüchtigte ISO 9000) messen nicht das Ergebnis, sondern die Wiederholbarkeit des Vorgehens. Der Grundgedanke ist die Hypothese: Wenn wir präzise das gleiche tun, bekommen wir präzise das gleiche Ergebnis. Leider funktioniert das in der Medizin nicht. Jeder Fall ist anders, und es ist weder sinnvoll noch möglich, zunächst für alle die gleichen Ausgangsbedingungen herzustellen.

Qualität ist typischerweise etwas, was man hinterher feststellt, doch viele Informationen, die in die Qualitäts“messung“ eingehen, stehen dem behandelnden Arzt vorher (also vor der Behandlung) nicht zur Verfügung.

Das Ergebnis? – Cover-your-ass-Medizin, wie wir sie heute schon aufblitzen sehen, gerade in den USA und GB. Ärzte, die ihre Behandlung primär an der Vermeidung von Schadenerstatzklagen ausrichten, nicht am Wohl des Patienten. Ärzte, die sich „sicherheitshalber“ an Standard-Prozeduren halten, die für den Einzelfall vielleicht passen, wahrscheinlich sogar – vielleicht aber auch nicht.

Die Behandlung wird also unter Umständen schlechter. Die große Falle ist: weil alle innerhalb der Messprozeduren für die Qualitätsstandards gehandelt haben, wird die gemessene Qualität trotzden besser.

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