Koalitionspoker? – Sagt Bescheid, wenn’s vorbei ist.

Die Medien überschlagen sich mit Meldungen zum „Koalitionspoker“. Große Koalition? Schwarz-Grün? Oder vielleicht doch Rot-Rot-Grün? Jeder Politiker von Rang und Namen – vielleicht mit Ausnahme der FDP – meldet sich dazu zu Wort. Hier ist die Zusammenfassung dessen, was wir davon glauben sollten: NICHTS. Das ist alles Teil des Koalitionspokers. Hier ist, warum:

Solange mir niemand das Gegenteil beweist (viel Erfolg :-)), gehe ich davon aus, dass jede öffentliche Äußerung zu Koalitionen intern abgestimmt ist. Alle jetzigen „Koalitionsaussagen“ gehören schon in der einen oder anderen Weise zum Koalitionspoker und haben darum keinen faktischen Wert. Hier sind zwei prominente Beispiele und ihre Wirkung:

„Wir streben eine Große Koalition nicht an, und am Ende wird es auch keine geben“

Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag von NRW, Norbert Römer

Und was sagt uns das? Wenn Sigmar Gabriel mit Angela Merkel spricht, kann er auf Norbert Römer zeigen und sagen: „Angela, ich brauche hier noch ein Zugeständnis von Dir. Du verstehst, ich muss dem Norbert gegenüber etwas in der Hand haben.“ (Oder so etwas ähnliches)

Und das Spiel funktioniert auch umgekehrt:

„Ich werde solche Gespräche jedenfalls nicht führen“

CSU-Vorsitzender Horst Seehofer

Da kann Angela Merkel ganz entspannt zu einem Grünen-Politiker sagen: „Du, so weit kann ich da echt nicht gehen. Du verstehst, ich muss dem Horst gegenüber etwas in der Hand haben.“ (Oder so etwas ähnliches).

Witzig ist übrigens auch die wörtliche Interpretation des Seehofer-Statements: Damit es zu Schwarz-Grün kommt, muss er die Gespräche tatsächlich nicht führen. Es reicht völlig, wenn er zur richtigen Zeit nachträglich zustimmt.

Und so weiter, und so weiter. Bemerkenswerterweise haben sich die echten Spitzen (Angela Merkel, Peer Steinbrück und so weiter) in dieser Frage nicht festgelegt und werden damit in den Verhandlungen unvoreingenommen gesehen. Wenigstens so weit mein Medienkonsum geht, ist mir nichts begegnet, was der Hypothese „jede Aussage ist Teil des Pokerspiels und hat darum keinen/kaum faktischen Wert“ widerspricht.

Was lernen wir daraus?

Wer wirklich mit wem eine Koalition bildet, ist eine wichtige und spannende Frage. Doch für den Normalbürger gibt es keine „neutrale“ Nachrichtenquelle. Darum können wir ebensogut abwarten, bis die Diskussionen abgeschlossen sind.

Sagt Bescheid…

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