Intelligenz ist das Gut auf Erden…

Aus: Freitag

Intelligenz ist das Gut auf Erden, von dem es am wenigsten gibt, die einzig wirklich wertvolle Sache. Jede menschliche Organisation läßt sich zur Nutzlosigkeit, Machtlosigkeit verdammen, zu einer Gefahr für sich selbst, indem man in sorgfältiger Auswahl ihre klügsten Köpfe entfernt und nur die dummen auf dem Posten läßt. Einige wenige gründlich vobereitete `Unfälle` reichten aus, um die gewaltige preußische Kriegsmaschinerie völlig zu ruinieren und in einen trampelnden Mob zu verwandeln. Dies offenbarte sich aber erst, als die Kämpfe längst im Gange waren, weil sich Idioten als Militärgenies ebenso gut machen wie Militärgenies – bis die Kämpfe losgehen.

Ob der Mittelteil über Preußen stimmt oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Der Anfang (… von dem es am wenigsten gibt …) und das Ende über Militärgenies ist schlagend richtig und selten so auf den Punkt gebracht. Heinlein polarisiert, aber hier hat er recht.

Vielleicht polarisiert er so stark, weil er uns auf seine zynische Weise mit unangenehmen Wahrheiten konfrontiert und uns keinen Ausweg lässt.

Die Wahl der Qual: Zu „Die Wahl einer Provinzregierung“ bei ‚Schreibkunst‘

Stehen die wichtigsten Themen tatsächlich nicht auf dem Programm? Oder haben wir einfach keine Antworten?
In dem Artikel „Die Wahl einer Provinzregierung“ steckt viel Wahres – und leider auch an einigen Stellen ein häufiger Irrtum: Die Verwechslung des Ergebnisses mit der Absicht. Ich fand den Artikel jedenfalls super-inspirierend.
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Gemischtwarenladen oder Themen-Blog

Unter der Überschrift „Gesucht: Das Thema für mein nächstes Blog – eine Umfrage“ stellt Claudia Klinger implizit den Trend zum Themenblog in Frage. Meine Meinung ist: Gemischtwarenladen ist Klasse! Die Argumentation kommt von prominenter Stelle – und ich stehe 100% dahinter:

Vor etwas über zehn Jahren hat zu diesem Thema Tim Berners-Lee, einer der Erfinder des World Wide Web sozusagen am Ort des Verbrechens, nämlich am CERN, seine Vision zu Themen wie diesen. Leider ist der Link dazu auf der Seite „Presentations of the W3C“ nicht mehr aufzufinden. „Gemischtwarenladen oder Themen-Blog“ weiterlesen

Pyrrhusfriede

Die Medien haben eine gute Nachricht: Waffenstillstand in Afghanistan. So titelt beispielsweise Spiegel Online: „Taliban verkünden unbegrenzte Waffenruhe im Swat-Tal„. Freundlicherweise wird der Preis der Waffenruhe im Untertitel mit genannt: Einführung der Scharia.

Dem Jubel der Bevölkerung im Swat-Tal kann ich nachvollziehen, wenigstens teilweise. Genauer: Zu etwa 50%: Die Einführung der Scharia bedeutet vor allem, daß die Männer Frieden haben (nämlich vom Bürgerkrieg). Für die Frauen und Mädchen ist wohl eher der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben: Spiegel Online berichtet beispielsweise, daß Islamisten 191 Schulen im Kampf „für“ die Scharia zerstörten. 122 davon für Mädchen.

Ein langer Weg zur Gleichberechtigung in Afghanistan.
Ein Pyrrhusfriede für die Menschenrechte, fast pünktlich zum 60. Geburtstag der UN-Menschenrechtscharta

P.S.: Die Redewendung „den Teufel mit dem Beelzebub austreiben“ ist für mich eine gängige, um pyrrhische „Erfolge“ zu beschreiben. Die Bevölkerung Afghanistans wird damit gleich behandelt mit allen ähnlichen Ereignissen, nicht schlechter, und auch nicht besser. Und daß so ein Disclaimer nötig ist, ist am Rande meiner Vorstellung von Meinungsfreiheit.

Tibet II

Unter „Ein Nepal für ein Tibet vormachen“ findet sich ein richtig guter Artikel rund um falsche Medien-Berichterstattung rund um die Tibet-Situation. Danke dafür! Wie dort schon als Kommentar geschrieben:

Klarheit ist in dieser Sache definitiv besser als wilde Skandalheischerei, und alle pro-Tibet-Fans haben die Sorge, daß die Wahrheit durchaus für sich selbst spricht.

Die größte Quelle von Unklarheit in dieser Angelegenheit sind allerdings nicht Journalisten, sondern die chinesische Regierung. Sie könnte einfach für Klarheit sorgen, indem Journalisten ins Land gelassen werden und siche eine eigene Meinung bilden. (naja… manchmal wahrscheinlich auch BILDen).

Nachrichten- und Bildfälschungen nützen nur dem Kommerz, aber Nachrichtensperre nützt niemandem.

Last but not least, zwei Kommentare zum Dalai Lama:

  • Ich kann mir nicht vorstellen, daß der Dalai Lama lügt
  • Ich kann mir nicht vorstellen, daß der Dalai Lama zu Gewalt aufruft. (Im Gegensatz dazu kann ich mir gut vorstellen, daß den Tibetern langsam die Sicherung durchgeht).

Von Olympia nach Tibet

Soso… die Olympische Fackel ist entzündet, und die meisten Länder haben schon festgestellt, daß sie die Olympischen Spiele in Peking nicht boykottieren werden. Denn frei nach Präsident Bush: Bei den olympischen Spielen geht es um die Athleten.

Ach so?

[Baron Pierre de Coubertin] strebte danach, diesen Zustand [der körperlichen Ertüchtigung] durch die verbindliche Einführung von Sportunterricht an den Schulen zu verbessern. Gleichzeitig wollte er nationale Egoismen überwinden und zum Frieden und zur internationalen Verständigung beitragen. Die „Jugend der Welt“ sollte sich bei sportlichen Wettkämpfen messen und sich nicht auf dem Schlachtfeld bekämpfen. Die Wiederbelebung der Olympischen Spiele schien in seinen Augen die beste Lösung zu sein, um beide Ziele zu erreichen.

(Wikipedia-Eintrag „Olympische Spiele“)

Selbstverständlich stehen die Athleten im Mittelpunkt – doch der Rahmen sollte durch Frieden geprägt sein. Selbstverständlich wünsche ich keinem Athleten, vier Jahre zu trainieren, nur um dann kurz vor den Spielen ein „NO“ zu hören. Zu bedenken ist: Ich wünsche auch niemandem, jetzt in Tibet zwischen die Mühlen zu kommen. Den Chinesen nicht, und den Tibetern erst recht nicht.

Den Tibetern allerdings am wenigsten, denn einerseits sind durch reichlich dumme Umstände in die Lage gekommen. Die Details sind verwickelt und bspw. bei Wikipedia unter Tibets Status nachzulesen, eine objektive Wahrheit in dieser Frage steht aus. Fest steht, daß die Staatengemeinschaft seit den 50’er Jahren einer beispiellosen Unterdrückung tatenlos zusieht. Wer’s genau wissen will, kann in dem Buch Tibet im Kapitel „Exil“ einige Einblicke gewinnen, daß die Chinesen wenig ritterlich mit ihrem „Protektorat“ umgehen. Insbesondere stecken dort einige Geschichten, die von Menschen handeln, die wirklich für ihre Ideale aufstehen.

Ein anderes Argument ist: WIr haben schon Erfahrung mit Olympia-Boykotten – und tatsächlich hat es nichts genutzt. Doch wer weiß? – Natürlich stört es die USA wenig, wenn die damalige UdSSR die Spiele boykottiert. Und umgekehrt auch nicht. Doch China kämpft hart darum, von der Welt als „Bürger erster Klasse“ anerkannt zu werden. Sollte man nicht diesen Hebel nutzen, solange man ihn hat?

Auf der anderen Seite: Ja, ein Olympia-Boykott wird wahrscheinlich nicht viel bewegen. Doch er wäre wenigstens ein Symbol, daß wir nicht überall wegsehen… wenigstens nicht in dem einen Land alle vier Jahre, das sportliche Wettkämpfe für die Jugend der Welt ausrichtet, damit diese Jugend eben nicht aufs Schlachtfeld muß.

Ein Wirtschaftsboykott wäre gut, wäre mehr als ein Symbol, doch der schadet uns ebensoviel wie China. Vielleicht ist es schon zu spät für uns im Westen, uns für unsere Ideale einzusetzen.

Also fahren alle nach Peking. Nach Tibet lässt uns ja keiner, und was sollen wir sonst tun?

Fakten, Fakten, Fakten

Tja…

Das „Fakten, Fakten, Fakten“-Magazin Fokus stellt in der Ausgabe 7/2008 (11. Februar) bestimmte Fonds vor. Insbesondere werden auf Seite 135 (ungefähr… vor lauter Werbung sind die Seitennummern kaum zu finden) Muster-Depots vorgestellt. Mir sprang dabei vor allem ein Eintrag ins Auge: Unter der Überschrift „Chance-Orientiert“ wird unter anderem ein Japan-Fonds vorgestellt.

Was für ein Kontrast zum „Economist“ (Asugabe vom 23. Februar): Der erste Leit-Artikel auf der Titelseite: „Why Japan is in trouble“.

Ausge-blogg-t… ausge-ebay-t… aus, aus, aus. ?

Ein neues Urteil erschüttert die Blogger-Szene – und damit auch mich.
Die FTD berichtet unter der Überschrift „Urteil setzt Bloggern zu“ von einem weiteren Urteil, das Deutschland von der Web-2.0-Welt in die prä-Web-Welt zurückkatapultiert: Wenn der Autor eines Blogs als „Störer“ nach dem BGB agiert (also, in meinen Worten, andere provoziert die Grenze zwischen Meinungsäußerung und Betrug zu überschreiten indem er die Dinge beim Namen nennt) haftet er auch für die Wutausbrüche seiner mit-Blogger.

eBay wird abgemahnt.

Inzwischen wird auch bei booklooker esoterisch abgemahnt (wie Spiegel Online berichtete).

Es sieht nicht so aus, als ob Deutschland den Sprung in die Informationsgesellschaft wirklich geschafft hätte.

Heute hat mir ein Kollege erzählt: Wenn ein Informatiker die Waschmaschine erfunden hätte, hätte sie zwei Kameras, zwei Greifarme, zwei Beine und wäre wasserfest, denn sie würde einfach nur einen Wäschekorb zum Fluß tragen und dort mit dem Waschbrett waschen – die bestehende Lösung wäre perfektioniert worden, zu horrenden Kosten.

Manchmal kommen mir Gesetzgeber und Richter auch so vor…

P.S.: Blog-Eintrag Nr. 100 steht ins Haus: Der Blick in die Kristallkugel zum Neuen Jahr…

Politik und gegenseitiges Verstehen

Spiegel Online berichtet unter dem Titel „Mit mir kann man überhaupt nichts mehr anfangen“ über ein Gespräch / Interview, daß Angela Merkel an der Universität von Nanjing gegeben hat. Dabei fallen einige Zitate auf, die das Selbstverständnis der Kanzlerin bemerkenswert sympathisch illustrieren:

Der größte Unterschied [beim Umstieg von Physik / Wissenschaft auf Politik] sei für sie gewesen, „dass man in der Politik alles sehr oft wiederholen muss, damit möglichst viele Menschen auch verstehen, was wir wollen“, sagte die Kanzlerin. „In der Wissenschaft muss man möglichst alles nur einmal sagen, und dann muss man schon wieder etwas Neues erfinden.“

Über das allgemeine Verständnis, daß „die Politiker“ sowieso immer nur das gleiche reden hinaus steht hier eine Begründung: Damit möglichst viele Menschen auch verstehen, was wir wollen. Mit anderen Worten: Politik wäre nur halb so wiederholend und damit langweilig, wenn wir alle nur besser zuhören würden! Daß die Kanzlerin tatsächlich Wert darauf legt, verstanden zu werden, hat sie vor ihrer Wahl schon in einer Fernsehsendung illustriert: Die Kanzlerkandidaten aller Parteien mussten ihre Anliegen vor laufender Kamera erklären – und zwar Kindern! Angela Merkel war die einzige, die tatsächlich auf ihr Publikum, die Kinder eben, einging und verständlich machte, worum es ihr ging.

Übrigens, dem Artikel zufolge darf ich Politik hier langweilig nennen:

In der Umstellungsphase seien ihre Reden deswegen recht kurz geraten, erzählte Merkel. „Ich habe das ein bisschen langweilig gefunden“, da man vieles mehrfach sagen müsse.

Lasst uns alle besser zuhören – dann langweilen wir uns nicht mehr so sehr mit der Politik, und die Kanzlerin auch nicht.