Medienkompetenz und „The News will Find Me“…

Der „Eintritt“ ins heutige Thema war für mich wieder einmal ein Artikel bei Spiegel Online: „Warum Microsoft und Google Twitter brauchen„. Im Prinzip geht es um die Vermischung von Sozialen Medien mit klassischen Medien: Wie weit können soziale Medien die klassischen Medien ersetzen? Tatsache scheint zu sein, daß Twitter, Facebook & Co manchmal die klassischen Nachrichten an Tempo weit überbieten. SPON beschreibt das als „Schreckensszenario aus dem Social Web für alle, die vom Filtern, Einordnen und Präsentieren von Nachrichten leben“.
Gleichzeitig stelle ich mir die Frage, ob Geschwindigkeit hier tatsächlich der einzige Maßstab ist. Auch dazu gibt es ein aktuelles Beispiel… „Medienkompetenz und „The News will Find Me“…“ weiterlesen

Statistik seziert: Abitur und Arbeitslosigkeit

Der DGB hat eine Studie über Arbeitslosigkeit u.a. von Abiturienten veröffentlicht – hier geht’s zum Original: http://www.dgb.de/2009/10/arbeitslosigkeit_abiturienten.pdf

Heise.de berichtete hier, uns Spiegel Online hier.

Und ich versuche mit ein bisschen gesundem Menschenverstand und einer  gesunden mathematischen Halbbildung herauszubekommen, wieviel die jeweiligen Redakteure vom Thema verstanden haben. Dazu ein Wort vorweg: „Prozent“ bedeutet „von Hundert“ oder „Hundertstel“.

„Statistik seziert: Abitur und Arbeitslosigkeit“ weiterlesen

Die Wahl der Qual: Zu „Die Wahl einer Provinzregierung“ bei ‚Schreibkunst‘

Stehen die wichtigsten Themen tatsächlich nicht auf dem Programm? Oder haben wir einfach keine Antworten?
In dem Artikel „Die Wahl einer Provinzregierung“ steckt viel Wahres – und leider auch an einigen Stellen ein häufiger Irrtum: Die Verwechslung des Ergebnisses mit der Absicht. Ich fand den Artikel jedenfalls super-inspirierend.
„Die Wahl der Qual: Zu „Die Wahl einer Provinzregierung“ bei ‚Schreibkunst‘“ weiterlesen

Menschenrechte…

Beim Nachschlagen der UN-Menschenrechtscharta für den Artikel „Phyrrusfrieden“ fielen mir bei Wikipedia noch die folgenden Dokumente in die Hände:

Natürlich wurde ich neugierig und habe weiter gelesen. Hier sind die Highlights:

„Menschenrechte…“ weiterlesen

China, Tibet, Meinungsfreiheit

„Ich bin zwar nicht Ihrer Meinung (Herr Kulla), aber ich würde mein Leben geben, damit Sie sie sagen dürfen.“ Leider ist den Tibetern (wie auch den „echten“ Chinesen) dieses Privileg verwehrt. Darum geht’s gerade, um nichts anderes.

Zum Kommentar von godforgivesbigots: „Dateicontainerverschlüsselung und Steganographie“ –> Tibet ist, soweit ich das verstanden habe, kulturell und technisch in der Nähe unseres Mittelalters. Strom, Telefon, fließend Wasser? – in der Breite: Fehlanzeige. Der Wikipedia-Artikel zu Tibet zeigt einige aufschlußreiche Bilder.

Zu saltzundessick: „Tibet gehörte schon immer zu China“? Auf welcher Grundlage entsteht diese Behauptung?

Hier hilft ein Blick ein ein Lexikon Deiner Wahl, ersatzweise Wikipedia: Die Lage ist jedenfalls verworren und nicht mit einem Satz zu beschreiben. Unter den Wikipedia-Neutral-Point-of-View-Regeln stellt sich die Sache so dar:

Die Tibeter waren bis zum 18. Jahrhundert eine Monarchie (mehr oder weniger selbständig… da gab’s Auseinandersetzungen mit den Mongolen).

Im frühen 18. Jahrhundert etablierte China das Recht, bevollmächtigte Regierungsvertreter (so genannte Amban) in Lhasa zu stationieren. Als die Tibeter im Jahr 1750 gegen China rebellierten und den Regierungsvertreter töteten, reagierte China darauf mit dem Einmarsch seiner Truppen und der Einsetzung eines neuen Vertreters. Die tibetische Regierung führte jedoch wie zuvor ihre Arbeit fort.

… und später …

So verweilten zur Zeit des Einmarsches Chinas in das damals de facto unabhängige Tibet im Jahr 1950 dort nur sechs Ausländer

… plus die Sichtweise der Chinesen, plus die Sichtweise der Tibeter.

Also: Ja, wir wissen nicht genau was in Tibet gerade abgeht. Aber wenn wer sich etwas mehr Mühe gibt, kann jedenfalls mehr über die Lage wissen als über „Dateicontainerverschlüsselung und Steganographie“ zu reden oder „Tibet gehörte schon immer zu China“ zu behaupten.

Schönen Sonntag noch.

China, Tibet und Meinungsfreiheit für Sportler

Hier im Blog (1, 2)steht ja schon meine Meinung zu Tibet und China. Trotzdem, die Diskussion jetzt über Meinungsfreiheit für Sportler sollte zusätzlich bedenken: Wie wollen wir mit politischen Meinungsäußerungen umgehen, die uns nicht gefallen? Wenn zum Beispiel ein Sportler mit einem T-Shirt antritt, auf dem „Frauen, zurück an den Herd“ steht? Oder irgendwas aus der deutschen braunen Vergangenheit?

Wollen wir auch dann noch Meinungsfreiheit für Sportler?

Happy New Year!!!

Naja… Weihnachten ist jetzt einen Monat her, und das Neue Jahr ist schon ein paar Tage alt. Trotzdem, nachträglich: Die besten Wünsche für 2008 und „den Rest“.

Wie angedroht, hier kommen drei Gedanken zu dem, was die Welt 2008 anpacken sollte:

1) Umweltschutz
2) Energiekrise (und sonstige Rohstoff-Mangelerscheinungen)
Während die öffentliche Diskussion lange an der Energiekrise knabberte und dann vom Extrem „Energiekrise“ zum Extrem „CO2“ sprang, scheint es sich hier für mich um zwei Seiten der selben Medaillie zu handeln. Klar wird nicht jeder Liter verbrauchtes Öl 1:1 in CO2 umgewandelt. Klar, nicht für jeden einzelnen Liter Bio-Sprit werden die Lebensmittel teurer. Und doch: Die Themen Umweltschutz und Energie sind zwei Aspekte der gleichen Sache: Rohstoffe. In den frühen Siebzigern veröffentlichte der Club of Rome sein Werk „Die Grenzen des Wachstums„, in dem über eine gigantische Simulation der Weltwirtschaft ermittelt wurde, wie es mit unserem Planeten weitergeht. Das Ergebnis: Die Fähigkeit des Planeten, unseren „Müll“ (einschliesslich Abgase, Abwasser, Giftmüll usw.) aufzunehmen, wird etwa zur gleichen Zeit zur Neige gehen wie die Rohstoffe uns ausgehen, nämlich etwa 2050. Da vorher heftige Verteilungskämpfe zu erwarten sind, bricht die Genauigkeit der Simulation zusammen, bevor klar ist, welches der beiden zuerst eintritt… Übrigens: Sogar wenn wir das nicht unter Kontrolle bekommen, gibt’s immer noch ein katastrophales Problem mit der Überbevölkerung.
Wer jetzt sagt „ach was, eine Simulation aus den 70’ern, was solls…“ sollte noch einmal zum Buchhändler gehen: Unter dem Titel „Die Neuen Grenzen des Wachstums“ wurde 1994 das Thema neu simuliert, mit weitgehend den gleichen Ergebnissen – nur auf Basis neuerer Daten… Und bei der Recherche habe ich gerade festgestellt, daß es schon eine dritte Runde gibt: 2006 wurde „Grenzen des Wachstums – Das 30-Jahre-Update. Signal zum Kurswechsel“ veröffentlicht – das muß ich mir demnächst zulegen…

Wer den Büchern immer noch nicht glaubt, kann sich an aktuellen Ereignissen orientieren:

  • Der Ölpreis hatte – vor der Börsenkrise – die 100$-Marke überschritten. (Man sollte seine Neujahrs-Stories schreiben, solange sie heiß sind…)
  • Die wichtigsten Ölförderländer verstaatlichen ihre Ölfelder
  • Müll-Transfers sind inzwischen an der Tagesordnung
  • Der Wettlauf um die Ressourcen der Antarktis beginnt
  • Die Klimaerwärmung wird nur noch von der US-Regierung ernsthaft angezweifelt
  • Lebensmittelpreise steigen, weil landwirtschaftliche Ressourcen / Produkte (zum Beispiel Ackerland) signifikant als Substitut für Erdöl eingesetzt wird

Und übrigens, noch ein Beitrag zur Hessen-Wahl: Herr Clement hat recht, man sollte nicht gleichzeitig gegen Kohlekraftwerke und gegen Kernkraft sein… sonst erwischt Frau Ypsilanti der alte Spruch „… bei mir kommt der Strom aus der Steckdose…“

Der dritte Gedanke lenht sich an an die Weihnachtsgeschickte von Dickens:

3) Und Frieden auf Erden…
Für mich stellt nach wie vor der Konflikt zwischen Islam und „Rest der Welt“ eines der größten Sicherheitsrisiken dar. Die Wurzel dieser Meinung liegt in einem Thread in einem Forum über Studentenaustausch. Studenten aus islamischen Ländern, die schon seit mehreren Jahren in „westlichen“ Ländern studierten (USA, Kanada, Australien, Europa) unterhielten sich zum Karikaturenstreit. Dabei wurde unter vielen islamischen Studenten eine für mich mangelnde Toleranz für diese Form von Humor sichtbar – und eine für westliche Studenten ungewöhnliche Bereitschaft zu Gewalt „in solchen Ausnahmefällen“. Ich denke, jeder Akt von „Toleranz“ und „Verständnis“ in diesen Fragen hat Vorbildcharakter: „Mit denen kann man’s ja machen, die sind ja schwach“ – diese Sichtweise können wir nicht ändern, also müssen wir uns darauf einstellen. Ich bin froh über Artikel wie „Was tun, wenn die Schläger kommen?“ bei Spiegel Online, damit jeder mit diesen Schwierigkeiten umzugehen lernt.

Das also ist „Bananenblatt Eintrag 100“. Das Bananenblatt wünsche allen Lesern Glück und Gesundheit.

„Darf man Arbeitnehmer so frustrieren?“

Gerade bei Spiegel Online: Der Artikel „Aufschwung ins Lohnminus“ fragt: „Wirtschaftswissenschaftler streiten sich: Darf man die Menschen in Zeiten des Aufschwungs derart frustrieren?“

Was ist das denn für eine Frage? – Vor allem unterstellt sie, daß irgendwo irgendwer absichtlich andere Leute frustriert.

Klar ist es nicht schön, daß man hart arbeitet, sogar noch ein kleines Plus drinn ist, und am Ende kommt doch nicht mehr Kaufkraft dabei raus. Dabei frage ich mich auch, wieviel Kaufkraftunterschied der Einzelne tatsächlich bemerkt, wenn er nicht von der Zeitung darauf aufmerksam gemacht wird… Die Kaufkraft schwankt sicher saisonal stärker als der Jahresdurchschnitt von einem Jahr zum nächsten…

OK, also: Frust mit der Kaufkraft, spätestens dank der Skandalpresse. Einfach gesagt, die Einkommen steigen langsamer als die Preise. Da könnte man also zwei Maßnahmen ergreifen: „Die Einkommen“ steigern, oder „die Preise“ senken. Leider ist das alles nicht so einfach.

„Die Einkommen“
Normalerweise ist unter dieser Überschrift der Ruf an die Arbeitgeber laut, nicht so sehr auf dem Geld zu sitzen. In diesen Tagen hat sich bspw. der Bundespräsident hervorgetan: „Köhler geißelt Maßlosigkeit der Manager“ titelt Spiegel Online (schon wieder die :-)) – doch bei näherer Betrachtung ist das etwas zu einfach:

  • Wenn Manager weniger verdienen, heißt das noch lange nicht, daß die Arbeitnehmer mehr verdienen!
  • Damit Arbeitnehmer mehr verdienen, muß man die Manager-Gehälter normalerweise nicht anpacken.

Da steht noch der Unternehmensgewinn wie ein Puffer dazwischen! – Erfundene 10.000.000 € Kürzung der Bezüge im Vorstand klingt nach viel – aber bei Siemens mit 475.000 Beschäftigten sind das weniger als 2 Euro pro Nase und Monat… Abzüglich Abzüge!

A propos Abzüge:

  • Damit Arbeitnehmer mehr bekommen, müssen sie nicht notwendigerweise mehr verdienen

Der Witz „ich hätte gerne meine Abzüge ausbezahlt“ ist leider viel zu wahr, um schön zu sein. Zum dritten Mal Spiegel Online: „Arm Durch Arbeit: Arbeitnehmer – die wahre Unterschicht“ heißt es da, und dieser Artikel erklärt detailliert, daß die realen Einkommen über die letzten 20 Jahre sich sehr ungleichmäßig entwickelt haben.: Arbeitnehmer stagnieren, denn die Brutto-Netto-Differenz wächst etwa mit den den Löhnen.
Gleichzeitig bekamen sowohl die „Selbständigen“ (im weiteren Sinne) als auch die Empfänger von Transferleistungen (Sozialhilfe, Rente, Arbeitslosengeld) deutlich mehr. In Summe:

Je weniger die Bürger mit der Finanzierung des hiesigen Wohlfahrtsstaates zu tun hatten, desto günstiger entwickelte sich ihr Haushaltsbudget.

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, vielleicht sollten sie zunächst diesen Mißstand geißeln?

„Die Preise“
Auch die Preise gestalten sich bei näherem Hinsehen nicht so homogen, wie man das vermuten würde… Drei Hauptfaktoren werden zitiert: Energiepreise, Lebensmittelpreise und der starke Euro.
Zu den Lebensmittelpreisen: Die gängige Begründung für die steigenden Lebensmittelpreise ist, daß in der Landwirtschaft Lebensmittel mit alternativen Energien um Ressourcen (hauptsächlich Acker- und Weideland) konkurrieren. Also steigen die Lebensmittelpreise, vereinfacht gesagt, indirekt wegen der steigenden Energiepreise.

Daß die Energiepreise steigen ist wiederum schon seit ~1970 keine Überraschung. Begrenzte Ressourcen kombiniert mit steigender Nachfrage stoßen irgendwann, früher oder später, an Grenzen. Man hätte sich eben darauf vorbereiten sollen… – auf der anderen Seite: Sind wir wirklich so schlecht vorbereitet? Deutschland ist in der Öko-Industrie ganz vorne mit dabei! – Daß es immer noch nicht reicht, steht auf einem anderen Blatt. Und daß wir noch keine grundsätzliche Lösung für das Problem haben, sollte man auch nicht aus dem Auge verlieren: Vielleicht kann man am Timing etwas machen, aber langfristig ist eine Explosion der Energiepreise nicht aufzuhalten.

Dann ist da noch der starke Euro. Das ist tatsächlich ärgerlich. Auch das ist bei näherer Betrachtung nicht wirklich überraschend (in der Intensität wohl schon, und das Timing war einfach nicht vorhersehbar, aber im Prinzip war’s klar). Und wer sollte jetzt etwas dagegen tun?
Die Bundesregierung? –> was denn? – so viele Möglichkeiten gibt’s da nicht…
Die EZB? –> kann auch nur indirekt eingreifen und muß noch eine handvoll anderer Faktoren mit betrachten
Die US Federal Reserve? –> die hat momentan andere Probleme…
„Der Markt“? –> wer genau ist das denn?

Und übrigens: Wir sind hier schon um zwei Indirektionen (1: Einkommen / Preise, 2: Energie, Lebensmittel, starker Euro) von der ursprünglichen Frage nach der Kaufkraft entfernt… Wenn man hier noch über die Feb in Übersee eingreift – wieviel kommt davon noch an?

Zurück zu der Frage: Darf man die Menschen derart frustrieren? – Mir gefällt’s auch nicht, aber nach der Erlaubnis hat einfach niemand gefragt.

Jammern nutzt nix – shit happens, mit solchen Konstellationen muß man einfach leben.
„„Darf man Arbeitnehmer so frustrieren?““ weiterlesen

Falsch verstandener Verbraucherschutz

Es gibt Themen, die sind schwierig, und es gibt Themen, die werden schwierig gemacht. Verbraucherschutz bei eBay gehört in eine dieser beiden Klassen.

In den letzten Tagen sind mir einige Artikel in die Finger gefallen, die sich mit diesem Thema beschäftigen – bspw. „Die Abgezockten“ in der Financial Times Deutschland (FTD) oder „Privatmann oder Profi? – Die Gewerbefalle bei eBay“ in der c’t. Dabei fällt auf daß sogar die sonst eher nüchterne FTD schon von abzocken spricht (und daß in der c’t kaum eine Ausgabe vergeht, die sich nicht mit dem Thema beschäftigt :-/)… Es scheint also die Gemüter zu bewegen – doch was steckt dahinter?

Meiner Meinung nach geht es um falsch verstandenen Verbraucherschutz. Natürlich bin ich normalerweise Verbraucher, wenn ich bei eBay etwas kaufe. (Von gewerblichen Käufern wollen wir hier ‚mal absehen, wegen der Übersichtlichkeit…) Und natürlich möchte ich als Käufer angemessen geschützt sein und eine einfache Rechtslage vorfinden, so daß ich ein paar Socken oder die im FTD-Artikel als Beispiel genannte Salami kaufen kann, ohne vorher zum Anwalt gehen zu müssen.

Aber der Erfolg von eBay beruht darauf, daß die Masse der Verkäufer ebenfalls Verbraucher sind!!!. Und dieser Aspekt geht in der momentanen Abmahn-Welle unter.

Oder, mit den alten Schlagworten der New-Economy: In einer „Re-intermediated“ Welt muß man auch im Verbraucherschutz berücksichtigen, daß Verbraucher sowohl als Käufer als auch als Verkäufer auftreten können.

Bonus-Frage: Wie funktioniert das eigentlich offiziell auf dem Flohmarkt? Ist man da auch schon gewerblich dabei, wenn man zwei Dutzend Artikel verkauft?

Liebes Bundesverfassungsgericht…

Der Artikel „Jung würde Flugzeug ohne Gesetz abschießen“ (Financial Times Deutschland Online) hat nebenbei eine nette Pointe:

Jung räumte zwar ein, dass das Bundesverfassungsgericht den Abschuss eines gekaperten Passagierflugzeuges auf die Fälle beschränkt habe, in denen nur Terroristen und keine Unschuldigen an Bord seien.

Ob dieser Lapsus der Zeitung, dem Verteidigungsminister oder dem Gericht anzurechnen ist, lässt sich aus dem kurzen Artikel nicht nachvollziehen. Ich kann mir jedenfalls keine Situation vorstellen, in der ein Flugzeug entführt wird, aber keine Unschuldigen an Bord sind.

Ansonsten neige ich dazu, der Argumentation des Verteidigungsministers sowohl in der Substanz als auch in der Handhabung zu folgen:

  • in der Substanz handelt es sich um einen Übergesetzlichen Notstand. Die Situation scheint mir verwandt zu sein zum Modell vom Tyrannenmord, auch wenn hier die Wirkungen wesentlich unmittelbarer sind.
  • in der Handhabung handelt es sich um die Voranklündigung einer Handlung, ähnlich dem aus RAF-Zeiten in letzter Zeit viel zitierten Statement „Der Staat ist nicht erpressbar“.

Im Kern geht es nicht um die Abwägung „Leben gegen Leben“ – im Kern geht es um Abschreckung: Wenn ein Terrorist sich darauf verlassen kann, daß ein enführtes Passagierflugzeug nicht abgeschossen wird, steigt die Ermutigung, den 11. September in Deutschland „nachzuspielen“. Ganz sachlich: Durch das Statement, daß ggf. ein Abschuß befohlen würde, steigt unsere Sicherheit.

Und wenn es so weit ist, kommt es ohnehin anders.