Bananenblatt

Klarheit in der politischen Debatte

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Was ist Qualität in der medizinischen Behandlung?

SPON berichtet über die Forderung nach mehr Transparenz im Gesundheitswesen. Ich bin versucht zu sagen: … Forderung nach noch mehr Transparenz im Gesundheitswesen. Der Artikel heisst „Patientenrechte: Experten fordern gläsernes Gesundheitssystem

Die im Artikel genannten Maßnahmen sind alle interessant, doch ich vermisse eine Definition von Qualität. Als Physiker weiß ich: Wer viel misst, misst viel Mist.

Die meisten Qualitätsschemata (z.B. die berüchtigte ISO 9000) messen nicht das Ergebnis, sondern die Wiederholbarkeit des Vorgehens. Der Grundgedanke ist die Hypothese: Wenn wir präzise das gleiche tun, bekommen wir präzise das gleiche Ergebnis. Leider funktioniert das in der Medizin nicht. Jeder Fall ist anders, und es ist weder sinnvoll noch möglich, zunächst für alle die gleichen Ausgangsbedingungen herzustellen.

Qualität ist typischerweise etwas, was man hinterher feststellt, doch viele Informationen, die in die Qualitäts“messung“ eingehen, stehen dem behandelnden Arzt vorher (also vor der Behandlung) nicht zur Verfügung.

Das Ergebnis? – Cover-your-ass-Medizin, wie wir sie heute schon aufblitzen sehen, gerade in den USA und GB. Ärzte, die ihre Behandlung primär an der Vermeidung von Schadenerstatzklagen ausrichten, nicht am Wohl des Patienten. Ärzte, die sich „sicherheitshalber“ an Standard-Prozeduren halten, die für den Einzelfall vielleicht passen, wahrscheinlich sogar – vielleicht aber auch nicht.

Die Behandlung wird also unter Umständen schlechter. Die große Falle ist: weil alle innerhalb der Messprozeduren für die Qualitätsstandards gehandelt haben, wird die gemessene Qualität trotzden besser.

Iran…

Manchmal finde ich die Fragen im Forum von Spiegel Online seltsam… Zum Beispiel: „Iran rüstet sich für den asymmetrischen Krieg

Trotzdem:

  1. Man kann über Israel sagen, was man will. Einem ganzen Land die Existenzberechtigung absprechen geht zu weit. Die Drohungen gegen Israel sind ideologisch begründet und somit zunächst glaubhaft motiviert.
  2. Mit ABC-Waffen erscheint mir die dauerhafte Zerstörung Israels in seiner heutigen Form durch die eng taillierte Form des israelischen Staatsgebietes in kürzester Zeit möglich. (Breite Israels lt. Wikipedia: 15km – 135km – zum Vergleich: Der „Totale Zerstörungsradius“ einer A-Bombe kann je nach Konstruktion 10km-20km erreichen).
    Eine Abschreckung durch Israel ist also sinnlos, denn falls die Abschreckung fehlschlägt, ist auch nichts zu Verteidigendes mehr da. Die Welt hat nur eine noch bessere Friedens-Strategie als Abschreckung erfunden, die EU. Aber eine enge Kooperation zwischen Iran und Israel nach dem Modell der EU sehe ich in diesem Jahrzehnt nicht kommen.
  3. Die ganze Auseinandersetzung ist auch vor dem Hintergrund des arabischen Frühlings zu sehen. Aus dieser Perspektive stimmt mich Kommentar #4 (von „Iraner1“) auch nicht optimistischer: Ahmadinedschad kann den Rest der Welt provozieren und dann aus dem selbst provozierten Konflikt heraus sein Volk „einen“. Die resultierende Propaganda ist allerdings ein Ritt auf der Rasierklinge: Zu viel provoziert und USA+Israel marschieren ein (das ist eine Interpretation des zweiten Irak-Krieges). Zu wenig provoziert und es gibt einen weiteren arabischen Frühling.
  4. Weniger „Säbelrasseln“ im Iran hat das Potenzial zu innenpolitischer Instabilität im Spannungsfeld zwischen Säkularen und politischen Islamisten, ähnlich wie sich die Lage in Ägypten gerade entwickelt. Also kann Ahmadinedschad da nicht einfach „Gras drüber wachsen lassen“. Fortlaufendes „Säbelrasseln“ führt allerdings *innenpolitisch* früher oder später zu der Frage: „Wenn wir sowieso so stark sind, warum machen wir (Gegner XYZ, zB Israel) nicht einfach platt?“
  5. Der Nahost-Konflikt ist offensichtlich auf der 6. Konflikteskalationsstufe nach Glasl angekommen (Drohstrategien). Eine weitere Eskalation führt in das Feld der „loose-loose“-Stadien, bei denen eine Konfliktpartei eigene Verluste in Kauf nimmt, nur um der anderen Konfliktpartei zu schaden.
  6. Die strategische Ausrichtung der im Artikel beschriebenen Waffensysteme passen sehr gut sowohl zu dem im Artikel angesprochenen „asymmetrischen Krieg“ gegen wesentlich überlegene Gegner wie die USA oder die NATO, als auch zu bürgerkriegs-artigen Konflikten wie dem arabischen Frühling.
  7. Die Drohung gegen die Straße von Hormus hat dagegen einen eindeutigen Adressaten: Die USA und, vor allem, ihre Verbündeten. Diese Drohung hat das Potenzial dazu, die USA von ihren Verbündeten in der Region zu isolieren. Schließlich ist nicht nur Iran von den Erdöllieferungen durch die Straße von Hormus abhängig, sondern – auf die eine oder andere Weise – auch die wichtigsten Verbündeten der USA. Manche brauchen das Öl, andere das Geld, alle brauchen die Lieferungen. Und die Image-Verschiebung, falls die Blockade auch nur zehn Tage hält, wäre enorm: Der Iran wäre auf einmal überraschend stark, die USA stünden überraschend schwach da. Dass diese Form von Kriegführung die USA schon zu Lande in Schwierigkeiten bringt, ist seit Vietnam bekannt. Dass das alles zur See noch intensiver funktionieren kann, zeigt die Lage in den Piratenhochburgen in Somalia. Bisher hat soviel ich weiß noch niemand einen vorbereiteten Guerilla-Krieg zur See geführt mit einem expliziten Kriegsziel (nämlich die Straße von Hormus zu blockieren). Das hat Potenzial für Überraschungen.

Alles in allem: Die Situation ist instabil. Ahmadinedschad sitzt in der Zwickmühle, er kann das alles jetzt selbst nicht mehr umkehren, egal ob er will oder nicht. Ein Rücktritt Ahmadinedschads würde entweder die internen Spannungen zur Eskalation bringen oder einen neuen Staatschef ins Amt bringen, der durch provokative Außenpolitik die Innenpolitik zusammenhält. Es gibt keinen einfachen De-Eskalationspfad, sogar unter der Annahme der Kooperation aller mächtigen Einzelpersonen. Für „den Westen“ gilt: Eine De-Eskalation ohne Abschreckung (–> BATNA, best alternative to a negotiated agreement) ist aussichtslos.

Aber vielleicht gibt’s ja irgendwo ein hoffnungsvolles Detail, das ich übersehen habe.

Fünf Thesen zur Transparenz

Ich finde Transparenz gut und wichtig. Aus meiner Arbeit mit dem World Wide Web Consortium habe ich da auch meine eigene Erfahrung dazu. Da ich in der Piraten-Welt den richtigen Anlaufpunkt noch nicht gefunden habe, schreibe ich jetzt einfach hier und hoffe, dass die Erfahrungen ihren Weg finden. Als Angebot, es muss ja niemand annehmen.

Transparenz ist nicht „ja“ oder „nein“

Als Einstieg  etwas eher offensichtliches: Transparenz ist nicht „ja“ oder „nein“, nicht „schwarz“ oder „weiß“. Transparenz ist „mehr“ oder „weniger“. Vollständige Transparenz ist praktisch nicht machbar und – siehe unten – auch nicht sinnvoll: Um alles zu erfassen, was relevant sein könnte,  müsste man 24/7 durch die Augen der Person sehen, mit ihren Ohren hören und ihrem Körper fühlen. Außerdem bräuchte man Zugang zur Erinnerung, um nachvollziehen zu können, wie ein bestimmtes Ereignis (bspw. eine Mittagessens-Einladung) eingeordnet wird (schmeckt toll, schmeckt doof) während relevante Information präsentiert wird.

Keiner hat die Zeit, das Leben eines anderen zu leben – die Meisten haben mit ihrem eigenen Leben schon genug zu tun. Also ist irgendeine Form von Verdichtung (Generalisierung, Auslassung und damit auch Verzerrung) zwingend notwendig. Das drückt sich beispielsweise in einem Bericht eines Piraten zum Thema „Parlamentsarbeit“ aus (finde dummerweise gerade den Link nicht), in dem er sinngemäß schreibt: Die Kollegen von den anderen Parteien bekommen die Papierstapel im Landtag von ihren Mitarbeitern zusammengefasst, ich muss die Papierberge selbst durcharbeiten.

Also: Auf welcher Detail-Ebene wollt ihr die Transparenz wirklich?

Vertraulichkeit muss sein, gerade in der Politik

Angenommen wir beobachten eine Partie Schach zwischen zwei etwa gleich starken Spielern. Spieler A spielt ganz normal, Spieler B andere lässt alle, auch seinen Gegner, an jeder seiner Überlegungen teilhaben.  Wer gewinnt?

Ich glaube, ein gewisses Maß an Vertraulichkeit in der Politik ist eine Notwendigkeit, um erfolgreiche Politik zu machen – also nicht (nur) Politik, die für die Politiker erfolgreich ist, sondern vor allem Politik, die für die Bürger erfolgreich ist. Natürlich wird jetzt der eine oder andere sagen: Bei Politik geht es doch darum, dass alle gewinnen – und das sehe ich mit Einschränkungen auch so. Doch es gibt auch Maßnahmen, die sich eindeutig „gegen“ jemanden richten. Im Rahmen der Finanzkrise 2007 waren beispielsweise viele Maßnahmen „gegen“ die Banken im Gespräch, die irgendwie alle im Sand verlaufen sind.

Gerade im Rahmen der Finanzkrise haben wir auch deutlich gesehen, wie viel Schaden „Transparenz“ anrichten kann: Jedes Mal, wenn ein „Meinungsbildner“ (bevorzugt aus den USA) den Mund aufgemacht hat, ist der Euro um einen halben Cent gefallen. Wohlgemerkt: Da ist nichts „reales“ passiert, es war einfach nur eine Meinungsäußerung, und ich hatte oft den Eindruck, dass die Amis einfach von ihren eigenen Staatsschulden ablenken wollten und wir doofen Europäer sind ihnen immer wieder auf den Leim gegangen. Außenpolitik ist auch so ein Feld mit viel „gegeneinander“, dieser Kommentar-Thread bei Google+ zwischen Josef Dietl, Frank Hartmann und Detlef Salzmann hat das schön illustriert:

[…]

Ein kurzer Blick nach Syrien zeigt, dass das Schlachten weitergeht, bis Assad glaubwürdig bedroht wird. Ich bin ein großer Freund von Verhandlungslösungen, doch meiner Erfahrung nach finden manche Verhandlungen überhaupt erst statt, wenn sich die BATNA, die „best alternative to a negotiated agreement“ für die andere Verhandlungspartei drastisch verändert. Um beim Beispiel Syrien zu bleiben: Warum sollte Assad seinen Kurs ändern, was hat er zu verlieren? Sogar Mahatma Gandhis Arbeit hat so funktioniert: Seine Gegner haben ihr Gesicht verloren.

[… in einem späteren Kommentar …]

Allerdings sind Informationen, die erst nach dem Krieg öffentlich wurden, keine Maßstäbe für Transparenz. Die Geheimdienstberichte zum Irak wären beispielsweise auch nach der skizzierten Piraten-Policy nicht vorher öffentlich geworden. Transparenz hätte wohl nur in einer Konstellation wirklich geholfen: Wenn Hussein früh glaubhaft gemacht hätte, dass er keine Atombomben hat. Doch er hatte Angst vor einer Invasion durch seine Nachbarn und wollte die abschrecken. Den Rest kennen wir: Die Geheimdienste haben den Bluff nicht aufgedeckt und so weiter.

Der Job der Geheimdienste ist also unter anderem, herauszubekommen, wo der Gegner blufft und wo nicht. Das ist wertvolle Information, denn mit diesem Wissen ändern sich die BATNAs (best alternative to a negotiated agreement), und damit ändert sich der Verlauf der Verhandlung bevor es zum Krieg kommt. […]

Last but not least, ein letztes Beispiel für „zu viel Transparenz“ waren die Rocker-Razzien: Auch bei solchen großangelegten Polizei-Aktionen muss das Dichthalten zuverlässig funktionieren.

Kurz: In gerade den Fällen, in denen wir uns Transparenz wirklich wünschen,  ist sie tatsächlich gefährlich.

Ist Transparenz das Ziel, oder ein Mittel zum Zweck?

Für mich ist mehr Transparenz nicht das Ziel selbst, sondern vor allem ein Mittel zum Zweck.
Der Zweck ist, einen Staat (eine Welt?) zu schaffen, in der die Menschen frei und glücklich leben und sich entfalten können (ungefähr…). Es sind Staaten denkbar, die wenig transparent sind und wo es den Menschen „trotzdem“ gut geht. Die frühe Bundesrepublik wäre dafür ein Beispiel.

Ein wichtiges Teilziel dabei ist dass die Menschen so weit wie möglich mit ihrer Regierung einverstanden sind. Dazu ist ein inhaltlich hochwertiger Autausch notwendig, und dafür ist Transparenz der entscheidende Gedanke: Damit die Bürger die Entscheidungen der Regierung nachvollziehen können, müssen die sachlichen Grundlagen der Entscheidung so weit als möglich transparent sein. Dazu ist Transparenz wirklich da.

Übrigens, umgekehrt stehen die Bürger dann in der Pflicht, das zur Verfügung stehende Material auch qualifiziert zu nutzen und in einem zivilisierten Gesprächston zur Debatte beizutragen.

Niemand kann Transparenz erzwingen.

Viele der Forderungen nach Transparenz, die ich sehe, zielen auf ein Verhalten. Sie zielen darauf, dass eine andere Person „mir“ offen etwas erzählen soll. Dieses Verhalten lässt sich dummerweise nicht erzwingen, es lässt sich nur fördern. Die wichtigste Voraussetzung dazu ist offensichtlich Vertrauen. Weder Vertrauen noch Transparenz wird man bekommen, wenn man es fordert. Wenn man sich Vertrauen erarbeitet, kommt die Transparenz quasi von alleine.

Wer hier versucht, eine Abkürzung zu gehen, drückt nur die „wichtigen“ Diskussionen in die Hinterzimmer. Dort sind sie ebenso wenig transparent wie im heutigen System, nur man bekommt sie von dort noch schwerer wieder ans Licht, da es sie offiziell gar nicht mehr gibt.  Ich finde es interessant, dass dieser Gedanke die gleiche Struktur hat, wie ein Argument aus der Drogendiskussion: Wenn man die Drogen komplett verbietet, drückt man sie nur noch weiter in den Untergrund und provoziert Beschaffungskriminalität. Auf den Fall von Transparenz übertragen bedeutet das: Wer vertrauliche Gespräche verbiete, drückt sie ins Hinterzimmer – und provoziert „Beschaffungskriminalität“, d.h. die „Täter“ werden erpressbar, damit manipulierbar, damit noch intransparenter.

Unsere Gesellschaft bestraft Transparenz

Damit kommen wir zum abschließenden Punkt: Wer tatsächlich die Transparenz vergrößern will, sollte sich dafür einsetzen, dass Menschen Fehler machen dürfen, dass Menschen verziehen wird. Auch wenn manche es nicht hören wollen: Auch Politiker sind Menschen. Auch Vorstände und Aufsichtsräte sind Menschen. Auch Banker sind Menschen. Das aktuelle Beispiel ist die Teppich-Affäre von Minister Niebel. Hat er alles richtig gemacht? – Nein, zweifellos nicht. Bei allem Symbolwert der Angelegenheit: ist ein Teppich für 1200$ Grund genug, um einen Minister hinauszuwerfen? Was würde passieren, wenn die Oppositionsparteien, statt den Rücktritt zu fordern sagen würden: „Herr Niebel, das darf nie wieder vorkommen. Und jetzt konzentrieren wir uns wieder auf die Sache“. (Abgesehen davon,dass dann die Opposition im Zentrum eines weiteren Shitstorms stünde). Natürlich kommen weitere Unregelmässigkeiten zu Tage, wenn ein Untersuchungsausschuß genauer hinschaut. Wer von uns verhält sich den ganzen Tag über ausnahmslos korrekt? Noch nie einen Strafzettel bekommen? Wer ohne Sünde ist, darf mit Steinen werfen. Ich bin es nicht.

Und die Empörungsgesellschaft schadet uns allen sehr. Wer erinnert sich noch an die Affäre Strauß-Kahn (der hat auch unzweifelhaft Fehler gemacht…)? – Wer erinnert sich noch an DSKs ursprüngliche Pläne für den Tag nach seinem Rückflug? – Genau: IMF-Hilfspaket für Griechenland unterschreiben. Diese Unterschrift hat sich über dieses Manöver erheblich verzögert, und das Ganze hat Europa sehr geschadet.

Unsere Shitstorm-Gesellschaft verzeiht keine Fehler, doch die Menschen in dieser Gesellschaft sind nach wie vor Menschen, sogar die Politiker, Banker und Unternehmenslenker. Es wäre viel einfacher, mehr Transparenz zu schaffen, wenn die Empörungsgesellschaft sich etwas kritischer empören würde, nämlich nur in den Fällen, in denen sich die Empörung lohnt. Aber ehrliche Selbstkritik ist – bei aller Wisdom of the Crowds – in einem Shitstorm nicht mehr drinn.

Fazit 1: Ich weiß, dass ich’s nicht weiß.

Ich finde Transparenz gut, und ich finde auch die Transparenzdiskussion gut. Ich bin für mich noch nicht zu einem abschließenden Ergebnis gekommen, wann / wo / wie / wieviel Transparenz nützlich ist und  wann / wo / wie / wieviel Transparenz schädlich ist. Klar ist für mich nur, dass es beides gibt.

Fazit 2: Shitstorms sind der Feind der Transparenz.

Klar ist für mich auch, dass die Shitstorm-Gesellschaft mit Forderungen nach mehr Transparenz nicht zusammenpasst..

 

Atomkraft

Zehn Tage nach Fukushima: Hier sind meine Gedanken zum Thema.

Ich erkenne das Ziel an, die Erde und ihre menschlichen, tierischen und pflanzlichen Bewohner vor den Gefahren der Kernkraft zu schützen. Doch Panik nützt niemandem.

  1. Metaphorisch gesprochen: Ich erkenne an, daß in Fukushima die Kuh noch nicht vom Eis ist. Ohne die Metapher: Die Möglichkeit, daß noch mehr radioaktives Material freigesetzt wird, besteht nach wie vor.
  2. Bisher ist die Lage in Fukushima tendenziell eher ein Beweis dafür, daß Menschen Kernkraft tatsächlich unter Kontrolle haben können: Im Angesicht einer Zwillings-Naturkatastrophe, bei der jede einzelne die Design-Ziele um einen Faktor fünf übertraf, ist die Lage nach wie vor weitgehend unter Kontrolle. (Ja, kritisch, und im Moment weitgehend unter Kontrolle. Siehe auch §1)
  3. Ein regionaler Atomkraft-Ausstieg in Deutschland nützt nichts. Deutschland verliert die Kontrolle über die Sicherheit von wenigstens einigen Reaktoren, und die Glaubwürdigkeit in Sicherheitsdiskussionen (-> Ingeneursdiskussionen) leidet. Der Sicherheitsgewinn für Deutschland ist dagegen eher überschaubar: Die meisten unserer Nachbarstaaten haben/planen/bauen Atomkraftwerke. Meine Meinung: Bitte mindestens Europa-weit diskutieren. Viel Spaß mit den Franzosen… Und dann ist das Thema der weltweiten Sicherheit immer noch nicht vom Tisch.
  4. Ich bin ein großer Freund von positiv formulierten Zielen. „Atom-Ausstieg“ ist für mich immer noch ein negativ (weg-von) formuliertes Ziel, so ähnlich wie „Rauchen aufhören“. Mit einer Formulierung wie „Umstieg auf Erneuerbare Energien“ könnte ich mich anfreunden, doch das hat zwei Haken: Es gibt kein plausibles Konzept dafür, und es wird voraussichtlich richtig teuer – je schneller wir den Ausstieg forcieren, umso teurer wird’s.  Mein Wunsch: Gerne auf die Tube drücken, und dabei mit Augenmaß vorgehen. Panik nützt niemandem.
  5. Bevor ich gesteinigt werde: Tatsächlich ist die größte Schwäche der Kernenergie, daß es auch dort kein akzeptables Konzept für den radioaktiven Müll gibt. Das wäre – im Vergleich zu Fukushima – eine lohnende Diskussion. Solange wir das Floriansprinzip dabei außer Kraft lassen
  6. Das Thema Energieversorgung ist untrennbar verknüpft mit dem Thema Wasserversorgung! (–>http://spectrum.ieee.org/static/e-h2o oder http://water.signtific.org/blog/)

In der Summe wünsche ich mir:

  • Ein Ende der Panik. Am besten jetzt, sofort. Erst wenn die Angst weg ist, können wir ein Thema dieser Wichtigkeit sinnvoll diskutieren.
  • Eine sachliche Diskussion. Ich habe niemandem seltsame Absichten unterstellt und möchte, daß mir auch niemand schräges Zeug unterstellt. Tim Berners-Lee warnt vor der Gefahr „kultureller Schlaglöcher“ (Democracy and the Internet: New Rules for New Times – Tim Berners-Lee – Europeaum Policy Forum, der Absatz beginnt mit „But at the same time…“), und an anderer Stelle wünschte er sich, daß die Menschen sich nicht um Meinungen versammeln sollen, sondern um Themen. Der Zweck dieses Artikels ist eine Diskussion um das Thema Energiepolitik.
  • Einen zügigen Umstieg von Kernkraft auf erneuerbare Energien, frei vom Floriansprinzip: Zügig und finanzierbar und konsequent umgesetzt. Wenn wir umsteigen wollen auf Erneuerbare, dann müssen die einschlägigen Projekte (Kraftwerke, Stromleitungen usw.) auch regional unterstützt werden.
  • Einen ganzheitlichen Blick auf das Thema E=H2O

Meine Quellen zur Lage in Fukushima im Lauf der letzten Woche sind unten. Dabei habe ich versucht, sachliche Informationen zu finden – das war in deutschen Medien leider kaum möglich. Vielleicht sind einige der Quellen nach deutschen Verhältnissen nicht ganz neutral, doch bevor die Diskussion über Neutralität der Quellen ausbricht, sollten wir die Diskussion über Sachlichkeit der Quellen hinter uns haben. Schön dazu war der Artikel in Spiegel Online, „Gute Kernkraft, böse Kernkraft

 

Blog umgezogen

Ein Blog umziehen kann ein Haufen wilde Arbeit sein. Hier lief’s irgendwie glimpflich: Ein paar Bilder-Links waren broken, aber das müsste inzwischen behoben sein. Eine Kleinigkeit ist tatsächlich ätzend: Da ich bei dem Umzug „Bananenblatt“ (deutsch) und „Palm Leaf“ (englisch) zusammengelegt habe, sind jetzt die Twitter-Statistiken im Eimer 🙁
Falls euch noch etwas auffällt, lasst’s mich bitte wissen, am besten hier in den Kommentaren.
Danke!

Fußball-WM 2010: Nachlese

Eigentlich hatte ich gedacht, daß mein letzter Tweet (nach dem 3. Platz der Deutschen) zum Thema so etwas wie ein Schlußwort sein könnte:

Das schönste am Fußball ist, wenn Jogi sich freut.

Doch dann kam das Finale.

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Karstadt und Medienkompetenz

Die inhaltliche Karstadt-Diskussion ist zu komplex, um sie hier zu kommentieren. Den kompletten juristischen Papierkrieg zum Thema kennen sowieso nur noch ein paar Anwälte, und mit weniger ist ein kompetenter Kommentar nicht zu machen.
Zur Diskussion in den Medien jedoch kann ich mir ein paar Anmerkungen nicht verkneifen, vor allem zu dem Artikel „Gewerkschaft bangt um Karstadt-Rettung“ bei Spiegel Online. Dieser Artikel enthält zwei interessante Widersprüche:

Erstens:

[Margret] Mönig-Raane [von ver.di] sieht Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in der Pflicht: „Er hätte hinter dem Bühnenvorhang mal Tacheles reden können, das hätte ich schon erwartet.“

Na bravo: Nach vorne jammern, und gleichzeitig fordern, daß „hinter dem Bühnenvorhang“ gearbeitet wird. Angenommen Herr Bundeswirtschaftsminister Brüderle hätte dieser Forderung tatsächlich entsprochen – woher wüssten wir es denn??? Doch nur, wenn es eine MEGA-Indiskretion gegeben hätte.

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Gedanken zur WM: Ein Land begeistert sich für nichts-verpassen

Heute, 20:30: Deutschland gegen Ghana. Ganz Deutschland ist begeistert für Fußball. Eigentlich denke ich darüber nach, mit meiner Frau das tolle Wetter zu genießen und ein Eis essen zu gehen. Nur die zweite Halbzeit – das müsste doch eigentlich genügen. Doch nein, eigentlich will ich das Spiel doch ganz sehen. Denn ich könnte ja ‚was verpassen. Ein Tor in 180 Fußballminuten genügt ja…

Und dann die Erkenntnis: Warum eigentlich Fußball? Wie ist’s mit Tennis, Handball, Basketball, American Football, … – da ist doch dauernd was los. Warum eine Sportart, bei der u.U. in 180 Minuten nur ein einziges Tor fällt?

Und dafür begeistert sich eine ganze Nation? Ganz Deutschland begeistert sich dafür, „nichts zu verpassen“? Das kann’s doch auch nicht sein… was sagt das über andere Felder? Politik? Bildung? Wirtschaft? Abwarten und konsumieren?

ICANN unter Zensur???

Wieder so ein Fall von kognitivem Frontalzusammenstoß:

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Zu: Spendercrawl

Die aktuelle Titelgeschichte bei KoopTech, „Spendercrawl – Parteispenden-Analyse Teil 3“ endet mit der Frage: „Welche frei verfügbaren Daten könnten die Machtverhältnisse besser abbilden?“ (im Kontext von „Die tatsächlichen Machtverhältnisse bleiben offensichtlich im Netz verborgen. Vom bürgerlichen Lager ist kaum etwas zu sehen, …“).

Soweit ich die verwendete Analyse verstehe, ist sie beschränkt auf Internet-Netzwerke (bzw. öffentlich bekannte Kapitalverflechtungen – ganz nett, hilft aber offensichtlich auch nicht). Damit spiegeln diese Analysen vor allem die Kommunikationspräferenzen wider. Wie wir alle in den letzten Jahren beobachten konnten (z.B. im Umfeld der „Zensursula“-Debatte) sind die Kommunikations-Präferenzen stark mit Ideologien korrelliert. Um die Diskussion anzuschieben, postuliere ich folgende Korrelationen:

  • CDU/CSU-Anhänger treffen sich in der Kirche, auf Familienfeiern oder am Stammtisch. (Dabei ist eine erweiterte Interpretation von „Stammtisch“, z.B. der Wiener Opernball, zulässig :-)) – am „Stammtisch“ finden sie auch mit der FDP zusammen. Na gut, geschäftliche Besprechungen und Dienstreisen kann man hier auch mitzählen.
  • Die SPD-Anhänger treffen sich im weitesten Sinne bei Vorträgen (z.B. an der Uni), Versammlungen (z.B. im Zusammenhang mit Betriebsratsirgendwas) und Demonstrationen
  • Die Grünen treffen sich online, um ihre vielfältigen offline-Aktivitäten zu organisieren, bei denen sie sich dann auch „offline“ treffen.

Möglicherweise spiegelt das auch das Durchschnittsalter wieder, so weit würde ich jetzt eigentlich nicht gehen wollen 🙂

Damit wäre klar, wo man nach der tatsächlichen Vernetzung suchen müsste: Nur für die Grünen trifft eine online-Analyse den Nerv, die Netze der „Bürgerlichen“ könnte man mit den Methoden der Klatschpresse aufdecken und die der SPD mit den Methoden des BND 🙂

So, jetzt ist hoffentlich genug Öl ins Feuer gegossen für eine coole Diskussion 🙂

Vielleicht wäre eine Variante von XING interessant, bei der jeder „fremde“ Bekanntschaften eintragen kann. Z.B. Tanzpaare am Opernball, Familienverflechtungen, gemeinsame Gewerkschaftsauftritte usw. Damit’s funktioniert müsste man’s in zweierlei Hinsicht moderieren: Einerseits müsste sichergestellt sein, daß nur Personen des öffentlichen Interesses auftauchen, andererseits muß die Datenqualität sichergestellt werden, z.B. durch Review. Vielleicht kann man sowas einfach bei abgeordnetenwatch andocken?

Wer macht?

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