Noch ein kleiner Nachtrag zum Peter-Prinzip: Wenn das Peter-Prinzip stimmt, warum funktionieren heutige Organisationen überhaupt?

Dafür gibt es zwei Gründe:

Einerseits weil die „Chefs“ inzwischen intelligenter sind und (hoffentlich) die Mitarbeiter nur bis „Peter-Stufe minus eins“ befördern. Das allerdings erinnert mich fatal an eine Diskussion über die „Hierarchie der Inkompetenz“… Darüber liest man später noch einmal mehr.

Andererseits jedenfalls weil Herr Peter eine fundamental falsche Annahme gemacht hat – nämlich daß Menschen sich nicht verändern. Sicher gibt es viele „Peter-Fälle“, in denen Mensch in eine Position befördert wird, der man nicht gewachsen ist. Meistens ist man dadurch so gestresst, daß man unbeweglich wird und in der Situation verharrt, so daß man dem Peter-Prinzip gerecht wird.

Es gibt aber grundsätzlich die Möglichkeit, daß Menschen ihr ganzes Leben lang lernen. (Auch wenn es viele „Erwachsene“ nicht zugeben wollen.) Das führt dazu, daß man bei ausreichend langsamen Beförderungen immer schneller lernen kann, als man sein aktuelles Peter-Niveau erreicht. Man kann auch, wenn man sein Peter-Niveau „versehentlich überholt“ hat, die Differenz ausgleichen wenn man sich nur entsprechen anstrengt, nicht nur das Tagesgeschäft so gut wie möglich zu bewältigen, sondern zusätzlich zu lernen, was zu lernen ist um die Situation nachhaltig zu meistern. Schwierig, aber prinzipiell möglich.

Dabei ist „lernen“ im weiteren Sinne zu verstehen, jede Verhaltensänderung wäre in diesem Sinne „lernen“.

In diesem Dunstkreis schwimmt auch die Antwort auf die Frage nach der Altersarbeitslosigkeit. Was ist denn eigentlich das Problem mit älteren Kollegen? Sicher, ältere Kollegen haben wesentlich mehr Kündigungsschutz und sind darum für den Betrieb gerade in Härtezeiten schwieriger als die „Jungen“, aber haben sie nicht auch Erfahrung?

Jawoll, sie haben Erfahrung – aber diese „Erfahrung“ ist oft genau das Problem. Erfahrung gibt es nämlich in mehreren Formen:

(a) als „Erfahrung darüber, wie etwas geht“. Das ist, zumindest meistens, die erwünschte Form. Davon gibt es eine wahnsinnig wichtige Ausnahme: Wenn ein Arbeitgeber verändern möchte, „wie etwas geht“, sei es um die Firma effizienter zu gestalten, sei es, weil neue technische Möglichkeiten wie beispielsweise computergesteuerte Maschinen verändern, „wie etwas geht“.

(b) Es gibt auch die „Erfahrung, wie etwas nicht geht“. Wie zuvor, dieses Wissen ist grundsätzlich sehr wertvoll, doch es kann von Veränderungen in der Umgebung (beispielsweise neue Maschinen oder Werkstoffe) ungültig gemacht werden.

In beiden Fällen müsste der erfahrene Mitarbeiter seine Erfahrung konstruktiv in den Veränderungsprozess einbringen – dann behält seine Erfahrung auch über die Veränderung hinaus ihren Wert, und mit ihr der Mitarbeiter. Doch oft halten Menschen an ihren Erfahrungen fest und bemerken nicht oder zu spät, daß die Welt sich weitergedreht hat. (Oft taucht in diesem Zusammenhang dann eine Wendung wie „da habe ich aber ein Recht darauf“ auf… auch darüber müsste man separat noch einmal schreiben…) Daraus entstehen dann Probleme – für die Firma, und auch für die Mitarbeiter.

Was hilft? – Man denke über die Parabel vom Elefanten nach. Es gibt nur in ganz wenigen Fällen „nur die eine Wahrheit“, meistens kann es mehrere Sichtweisen der Wahrheit geben, die alle gleichermaßen richtig sind.