Al Qaida & Co. scheinen in London einen Pyrrhussieg errungen zu haben. Zugegeben, die Anschläge waren ein „“Erfolg““, und diese Verwendung des Wortes verdient tatsächlich zwei Sätze von Anführungszeichen: Einerseits weil es grundsätzlich bizarr ist, diese Anschläge als Erfolg zu bezeichnen, und andererseits weil sogar dieser „Erfolg“ (mit einem Satz Anführungszeichen) relativ ist: Ziel war, Angst und Schrecken zu verbreiten. Dieses Ziel wurde verfehlt, denn

Wir haben keine Angst

Wir haben keine Angst ist der Titel eine spontan entstandenen Internetseite. Und diese Internetseite wird überall zitiert. Im Blog der Zeit ebenso wie im Spiegel Online. Die anderen werden’s sicher auch noch finden.

Wir haben keine Angst

Wikipedia definiert Terror als „die systematische Verbreitung von Angst und Schrecken durch Gewaltaktionen besonders zur Erreichung politischer Ziele“. War London in diesem Sinne ein Erfolg? – wohl nicht, im Gegenteil: Die Menschen haben sich auf ihre Stärke besonnen und sagen:

Wir haben keine Angst

Wie war das Leben in Deutschland am 11. September? Voll von Angst. Voll von Ungewissheit. Wie war das Leben nach den Anschlägen in Madrid (wer weiß das Datum noch auswendig?)? Voll Abscheu. Wie ist das Leben heute, nach den Anschlägen von London? So wie vor den Anschlägen. Ein gewisses „schon wieder“ macht sich breit, und vor allem:

Wir haben keine Angst

Schon unmittelbar nachdem das World Trade Center fiel, stand auf einer befreundeten Website: „… Das Ziel der Angriffe war, unsere Art zu Leben und zu Denken zu verändern, und mein bescheidener Beitrag zur Vergeltung ist, meine Einstellung nicht zu ändern. Der Angriff war erfolgreich, doch er hat sein Ziel nicht erreicht. Nur wenn wir die Ruhe verlieren, hat er sein Ziel erreicht.“

Wir haben keine Angst

Spiegel Online unterstreicht die Botschaft noch weiter. Aus diesem Artikel zu zitieren wäre sinnlos – man müsste den ganzen Artikel kopieren. Auch The Economist unterstützt diese Botschaft: „Eine so nutzlose Zurschaustellung von Gewalt sollte zu zwei Gedanken führen. Der eine ist daß die eigentliche Überraschung ist, daß dies nicht schon früher geschah. Der andere ist: solche Angriffe dürfen und werden die Art wie London lebt und arbeitet nicht verändern.“

Wir haben keine Angst

So wie London, Madrid und New York gelernt haben, mit der Lage umzugehen, so sollten wir alle es lernen. Niemand weiß, was morgen kommt. Terrorismus kann man nicht mit Gewalt besiegen. Das Ziel von Terrorismus ist, Angst und Schrecken zu verbreiten, darum kann man die Terroristen aushungern:

Wir haben keine Angst

Wie FAZ.NET berichtet, haben sich die Deutschen Medien bei der Berichterstattung nicht mit Ruhm bekleckert – und die FAZ liefert auch das finale Schlußwort:

„Was man am besten macht, wenn man selber nicht genau erklären kann, was vorgeht, das bekam man im Lauf des Vor- und Nachmittags wieder einmal bei CNN zu sehen. Dort sagte ein Mann, der in einem der betroffenen Züge saß, auf die Frage nach den möglichen Tätern, daß man für sie nur Mitleid haben könne. „Mitleid?“ fragte der Reporter. Was sonst, bekam er zur Antwort, könne man für Menschen empfinden, die eine solche Barbarei anrichteten.“

Wir haben keine Angst – wir haben Mitleid.