Die Financial Times Deutschland berichtet unter der Überschrift Die schwimmende Steckdose über ein neu konzipiertes Russisches Kernkraftwerk auf Rädern… nein, auf Kiel: Ein Schiff soll zwei Kernreaktoren tragen und so schwer erreichbare Städte mit Strom versorgen. Haken an der Sache: Das Zeugs braucht hochangereichertes („Bombenfähiges“) Uran als Treibstoff. Es kommt noch besser: Die „Herzen“ der Kiste, zwei modifizierte Leichtwasserreaktoren vom Typ KLT-40S, sind schon seit Jahren in der russischen Eisbrecherflotte in Betrieb!

Kann sich noch irgendjemand an das unglaubliche Gezeter um den Forschungsreaktor München II („FRM II“) erinnern?

Ich war lange für den FRM II, denn Forschung braucht das Land – und im Zweifel habe ich die Kiste lieber ums Eck und unter meiner Kontrolle als ums Eck und im Nachbarland (siehe Kernkraftausstieg paradox). Dann habe ich die Geschichte rund um das hochangereicherte Uran mitbekommen und war gegen den Reaktor, vor allem (damals, zwischen 1990 und 1995, vorausschauenderweise) wegen der Terrorismus-Gefahr. Dann, während meinem eigenen Aktivismus, wurde mir klar, daß man wegen Seltsamkeiten im deutschen Atomrecht für einen so kleinen, hochangereicherten Kern leichter eine Genehmigung bekommt als für einen normalen Kern – der wegen der kritischen Masse eben entsprechend größer sein muß. Daraufhin habe ich beschlossen, daß ich von der Sache zu wenig verstehe.

Aber jetzt zu hören, daß in der russischen Eisbrecherflotte hochangereichertes Uran gang und gäbe ist, daß das Zeug sozusagen transportbereit (auto-mobil) auf Schiffen über die Weltmeere schippert und daß jetzt auch noch eine „verbesserte“ Variante entwickelt wird… da fällt mir nichts mehr ein. Euch etwa?