Hmmm… Es ist Wahlkampf – also wird ausnahmsweise hier Partei ergriffen. Im Folgenden findet der geneigte Leser (m)eine persönliche Meinung – allerdings nur zur Kampagne der SPD. Warum? Einen Teil der Antwort inspiriert Herr Bundeskanzler Schröder mit seinem Plakat „Wer Arbeit schaffen will…“ selbst:

Wer Arbeit schaffen (oder sonst die nötigen Veränderungen bewirken) will, braucht nicht nur „… Mut für Reformen“, sondern auch die entsprechenden Mehrheiten. Man mag von Herrn Bundeskanzler Schröder oder Frau Dr. Merkel halten, was man will – aber eine große Koalition will heute ziemlich sicher keiner. De facto haben wir die „große Koalition“ ja schon seit vielen Jahren: Mit der SPD im Bundestag und der Union im Bundesrat. Bei allem Mut zu Reformen auf der einen oder der anderen Seite – der große Wurf war so nicht drinn. Und wir brauchen einen großen Wurf, und er wird weh tun. Wenn’s noch nicht einmal die SPD mehr schafft, die Dinge hinzubiegen, ohne ihrer Stammwählerschaft wehzutun (–> Hartz IV) ist das wohl anzuerkennen. Dann aber auch lieber Schmerzen, die für die Bundesrepublik als Ganzes ein Ergebnis bringen als noch einen faulen Kompromiss, der nur alle gleichmässig unglücklich macht.

Wer Frieden will, muß standhaft sein. Auch hier gilt: Ja, das muß man sein. Aber auch hier, standhaft alleine genügt nicht. Wie viele Pazifisten zitieren (fälschlicherweise) Bert Brecht mit „Stell dir vor es kommt Krieg und keiner geht hin…“ – und wieviele davon wissen, daß das Zitat, egal von wem es stammt, mit „dann kommt der Krieg zu dir“ weitergehen kann? Aber auch ein naives „Wer Frieden will, muß stark sein“ ist noch zu kurz gesprungen. Ich finde, wer Frieden will, muß stark und weise sein. Weder das eine noch das andere alleine reicht aus. Stärke könnte man zur Not bei der Union noch identifizieren, aber Weisheit? – Die aktuelle Bundestagswahl zeigt hier einen Anflug von „Pest oder Cholera?“. Da kann man nur mit den Salzburger Nachrichten feststellen: Die Deutschen müssen einem Leid tun

Zu dem Plakat <a href="http://kampagne.spd.de/servlet/PB/show/1585856/180805_Plakat_Wer_Gerechtigkeit_will.jpg"Wer Gereichtgkeit will, muß das Soziale sichern muß man schon fast fragen, was Gerechtigkeit und was „Das Soziale“ (eine Wortneuschöpfung, übrigens) eigentlich ist. Unter dem Stichwort Soziale Gerechtigkeit hilft Wikipedia immerhin, aus einer offenen Frage eine geschlossene zu machen: Verteilungsgerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit, oder Bedarfsgerechtigkeit? Auf dem Plakat „Wir stehen für soziale Gerechtigkeit“ zeigt sich, daß wenigstens die grobe Einordnung korrekt war. Leider wird die Frage der „richtigen“ Gerechtigkeit dort nur mit einer Gegenfrage beantwortet: „Aber wofür stehen die anderen?“. Wofür, bitte, stehen Sie selbst, Herr Bundeskanzler? Verteilungs-, Leistungs- oder Bedarfsgerechtigkeit?

Übrigens: Auch solcherart interpretierbare Begriffe findet man in der Kunst, Recht zu behalten.

Mehr Meinungen? – Andere Meinungen? – Kommentare zu den Plakaten anderer Parteien?

Hinweis: Ich plane, diese Seite nach der Wahl mit allen ihren Kommentaren wieder zu entfernen. Außer, die Kommentare sind’s wert, der Nachwelt erhalten zu bleiben.