Heute: Ein Frühstück.

Tja… nach langer Zeit gibt es zum ersten Mal Anlass für ein Reisetagebuch, und dann habe ich keine Zeit, um es zu schreiben. Hier also mit einiger Verspätung der zweite Eintrag zu meiner Indientour im Oktober.

Was bisher geschah: Ich war gut in Indien angekommen.

Heute geht’s um den ersten Eindruck, den mein Chef von Bangalore bekommen hat. Er kam in der Nacht von Sonntag auf Montag an, d.h. der erste „echte“ Eindruck war das Frühstück in meinem Lieblingshotel. Meine Hoffnung war, daß ihn ein gutes Frühstück gut auf den Tag vorbereiten würde, doch Murphy war unterwegs:

Ich war als erster im Frühstücksraum und habe zunächst meinen Lieblingsplatz erobert: Ein Platz am Fenster mit Blick auf den Pool. Der Platz ist normalerweise richtig gut, er liegt zwar am „anderen Ende“ des Frühstückssaales (aus Sicht der Küche), aber was soll’s. Der Fehler im System war: Eine Busladung Schwäbinnen im gehobenen Mittelalter hatten zur gleichen Zeit beschlossen, im gleichen Hotel zu frühstücken. Vom Saree bis zur Jogginghose war alles vertreten – nur keine Englischkenntnisse (ein Reisebegleiter hätte mir auch gereicht…). Gleichzeitig war die Club-Urlaubs-„Hoppla-jetzt-komme-ich“-Einstellung bei einigen der Damen ausreichend ausgeprägt um das komplette Frühstücksteam zu überlasten. Oder zu verwirren. Oder beides. Bei näherer Betrachtung: Beides.

Denn normalerweise wird man schon nach Kaffee oder Tee gefragt, praktisch bevor man sitzt. Heute saßen wir einige Zeit bevor wir (ohne Kaffee) beschlossen, zunächst das Buffet zu stürmen. Dort bestellt man normalerweise sein Ei o.ä. und plündert dann den Rest, das Ei wird dann an den Tisch gebracht. Lichtblick: Wir waren sofort dran und gaben unsere Bestellungen auf.

Als wir an den Platz zurück kamen, stellten wir fest, daß nur einer unserer Plätze mit Besteck verziert war. Kein Problem, wir teilten brüderlich: Cheffe bekam die Gabel für die Wurst und ich das Messer für die Marmelade. Der nächste Ober würde es schon richten. Tatsächlich, der Ober kam und fragte nach Kaffee. Mein Kollege zählte auf was noch alles fehlte, und der Ober ging wieder. Haken: Er ging, ohne unsere Bestellung (jenseits von Kaffee und Tee) zu wiederholen. Und er lief sofort einer der Schwäbinnen in die Arme, die ihm mit Händen und Füßen irgendeinen weiteren Wunsch klarmachte.

Klar, er musste die Dame zunächst versorgen (immerhin musste er auf dem Rückweg wieder an ihr vorbei :-)). Daß er bis dahin unsere Wahl von „Kaffee oder Tee“ vergessen hatte war auch kein weiteres Problem, das Personal bringt sowieso immer beides auf einem Tablett. Daß wir nur eine Tasse für zwei Personen hatten komplizierte die Lage dagegen erheblich. Klar, wer mit dem Nachtflug einfliegt bekommt den ersten Kaffee. Bei dieser Gelegenheit stellten wir fest, daß bei der Tasse kein Kaffeelöffel dabei war.

Während wir also amüsiert frühstückten kam irgendwann noch einmal ein Ober mit Kaffee und Tee vorbei, den wir um eine Tasse baten. Im Gegensatz zu seinem Kollegen kam er ungehindert in die Kücke und wieder zurück und brachte eine Tasse, Untertasse und Kaffeelöffel. Da er dafür keinen Kaffee dabeihatte, teilten wir als nächstes den Löffel und frühstückten noch amüsierter weiter.

Kurz darauf kam sein Kollege und brachte eine weitere Tasse, nur um festzustellen daß wir nun drei leere Kaffeetassen auf dem Tisch stehen hatten: Mein Chef hatte inzwischen ausgetrunken… Glücklicherweise nahm er keine davon mit (wer weiß, wie es sonst weitergegangen wäre), sondern verschwand, um Kaffee und Tee zu holen und kam auch kurz danach mit besagtem Tablett wieder. Irgendwann hatten wir auch im Vorbeiflug das restliche Besteck organisiert…

Damit waren wir also eigentlich so weit organisiert, daß wir gemütlich ein Ei hätten verspeisen können – wenn wir denn eines gehabt hätten. Also zurück an die Bar … nein, ans Buffet, und zu meiner angenehmen Überraschung konnte sich der Koch sogar noch an unsere Bestellungen erinnern – er war nur noch nicht dazu gekommen, sie zuzubereiten. Also gab’s in Windeseile noch ein Omlett und ein Rührei hinterher, und die Welt war wieder in Ordnung.

Danach spielten wir noch eine Runde des bekannten Gesellschaftsspieles „unser Fahrer ist nicht da“ bevor wir uns durch die verstopften Straßen von Bangalore auf den eine Stunde langen Weg ins Büro machten.

Der Fahrer war übrigens da, er hatte sich nur nicht an das Protokoll gehalten und sich bei der Rezeption nicht gemeldet. Wir waren mit ihm während des ganzen Aufenthaltes sehr, sehr zufrieden. Das Ganze war tatsächlich nur ein kleiner Schluckauf zum Auftakt.