… kann nur die Schlußfolgerung aus dem Vorgehen der Afghanischen Regierung sein. Wie Spiegel Online unter der Überschrift Schuldunfähigkeit könnte Rahman retten berichtet, versucht sich Afghanistan, jetzt aus der Affäre zu ziehen indem sie den Angeklagten wegen psychischer Probleme für schuldunfähig erklären lässt. Dann ist der Prozess zu Ende und das Aufsehen auch. Und: Der Ausgang ist „Unentschieden“. Die islam-zentrierte Weltsicht hat nicht verloren, denn es kam nicht zu einem Freispruch bei „Abfall vom Glauben“, und die humanistische Weltsicht hat (scheinbar) nicht verloren, denn niemand wird hingerichtet.

Noch nicht. Denn das Gesetz bleibt bestehen, und wer weiß ob der nächste Angeklagte wieder das Glück internationaler Aufmerksamkeit genießt?

Der Kommentar

Der afghanische Präsidentensprecher Chalik Ahmad betonte heute mit Verweis auf die Gewaltenteilung, dass die Regierung keinen Einfluss auf das Verfahren nehmen könne.

kann im Lichte der Karikature-Diskussion (in der der Dänische Ministerpräsident im Wesentlichen das Gleiche gesagt hatte) nur als Karikatur gesehen werden. Übrigens: Die Regierung kann keinen Einfluß auf das laufende Verfahren nehmen, aber sie kann sehr wohl zwei Gesetzesvorhaben auf den Weg bringen: um die Todesstrafe für „Abfall vom Glauben“ abzuschaffen und um die Religionsfreiheit in der Verfassung zu verankern.

Auch der Kommentar

Wirtschaftsminister Amin Farhang sagte im Radiosender rbb, er sei sicher, dass Abdul Rahman nichts geschehen werde. „Es gibt auch im Islam Mittel und Wege, wie man solche Fälle gerecht behandelt.“

wirft spannende Fragen auf: Was genau meint der Herr Minister, wenn er von „gerecht“ spricht? – Nach dem Rechtsempfinden der Sharia is das Verhängen der Todesstrafe in diesem Fall durchaus gerecht.

Immerhin hat sich der Zentralrat der Muslime in Deutschland im humanistischen Sinne geäußert: Er „… verwies auf die Religionsfreiheit und bat die afghanische Justiz, von einer Verurteilung abzusehen. Der Zentralrat ‚bedauert zwar zutiefst jeden Fall eines Abfalls vom Islam – wir akzeptieren aber auch das Recht, die Religion zu wechseln‘.“