Spiegel Online berichtet unter dem Titel „Mit mir kann man überhaupt nichts mehr anfangen“ über ein Gespräch / Interview, daß Angela Merkel an der Universität von Nanjing gegeben hat. Dabei fallen einige Zitate auf, die das Selbstverständnis der Kanzlerin bemerkenswert sympathisch illustrieren:

Der größte Unterschied [beim Umstieg von Physik / Wissenschaft auf Politik] sei für sie gewesen, „dass man in der Politik alles sehr oft wiederholen muss, damit möglichst viele Menschen auch verstehen, was wir wollen“, sagte die Kanzlerin. „In der Wissenschaft muss man möglichst alles nur einmal sagen, und dann muss man schon wieder etwas Neues erfinden.“

Über das allgemeine Verständnis, daß „die Politiker“ sowieso immer nur das gleiche reden hinaus steht hier eine Begründung: Damit möglichst viele Menschen auch verstehen, was wir wollen. Mit anderen Worten: Politik wäre nur halb so wiederholend und damit langweilig, wenn wir alle nur besser zuhören würden! Daß die Kanzlerin tatsächlich Wert darauf legt, verstanden zu werden, hat sie vor ihrer Wahl schon in einer Fernsehsendung illustriert: Die Kanzlerkandidaten aller Parteien mussten ihre Anliegen vor laufender Kamera erklären – und zwar Kindern! Angela Merkel war die einzige, die tatsächlich auf ihr Publikum, die Kinder eben, einging und verständlich machte, worum es ihr ging.

Übrigens, dem Artikel zufolge darf ich Politik hier langweilig nennen:

In der Umstellungsphase seien ihre Reden deswegen recht kurz geraten, erzählte Merkel. „Ich habe das ein bisschen langweilig gefunden“, da man vieles mehrfach sagen müsse.

Lasst uns alle besser zuhören – dann langweilen wir uns nicht mehr so sehr mit der Politik, und die Kanzlerin auch nicht.