Soso… die Olympische Fackel ist entzündet, und die meisten Länder haben schon festgestellt, daß sie die Olympischen Spiele in Peking nicht boykottieren werden. Denn frei nach Präsident Bush: Bei den olympischen Spielen geht es um die Athleten.

Ach so?

[Baron Pierre de Coubertin] strebte danach, diesen Zustand [der körperlichen Ertüchtigung] durch die verbindliche Einführung von Sportunterricht an den Schulen zu verbessern. Gleichzeitig wollte er nationale Egoismen überwinden und zum Frieden und zur internationalen Verständigung beitragen. Die „Jugend der Welt“ sollte sich bei sportlichen Wettkämpfen messen und sich nicht auf dem Schlachtfeld bekämpfen. Die Wiederbelebung der Olympischen Spiele schien in seinen Augen die beste Lösung zu sein, um beide Ziele zu erreichen.

(Wikipedia-Eintrag „Olympische Spiele“)

Selbstverständlich stehen die Athleten im Mittelpunkt – doch der Rahmen sollte durch Frieden geprägt sein. Selbstverständlich wünsche ich keinem Athleten, vier Jahre zu trainieren, nur um dann kurz vor den Spielen ein „NO“ zu hören. Zu bedenken ist: Ich wünsche auch niemandem, jetzt in Tibet zwischen die Mühlen zu kommen. Den Chinesen nicht, und den Tibetern erst recht nicht.

Den Tibetern allerdings am wenigsten, denn einerseits sind durch reichlich dumme Umstände in die Lage gekommen. Die Details sind verwickelt und bspw. bei Wikipedia unter Tibets Status nachzulesen, eine objektive Wahrheit in dieser Frage steht aus. Fest steht, daß die Staatengemeinschaft seit den 50’er Jahren einer beispiellosen Unterdrückung tatenlos zusieht. Wer’s genau wissen will, kann in dem Buch Tibet im Kapitel „Exil“ einige Einblicke gewinnen, daß die Chinesen wenig ritterlich mit ihrem „Protektorat“ umgehen. Insbesondere stecken dort einige Geschichten, die von Menschen handeln, die wirklich für ihre Ideale aufstehen.

Ein anderes Argument ist: WIr haben schon Erfahrung mit Olympia-Boykotten – und tatsächlich hat es nichts genutzt. Doch wer weiß? – Natürlich stört es die USA wenig, wenn die damalige UdSSR die Spiele boykottiert. Und umgekehrt auch nicht. Doch China kämpft hart darum, von der Welt als „Bürger erster Klasse“ anerkannt zu werden. Sollte man nicht diesen Hebel nutzen, solange man ihn hat?

Auf der anderen Seite: Ja, ein Olympia-Boykott wird wahrscheinlich nicht viel bewegen. Doch er wäre wenigstens ein Symbol, daß wir nicht überall wegsehen… wenigstens nicht in dem einen Land alle vier Jahre, das sportliche Wettkämpfe für die Jugend der Welt ausrichtet, damit diese Jugend eben nicht aufs Schlachtfeld muß.

Ein Wirtschaftsboykott wäre gut, wäre mehr als ein Symbol, doch der schadet uns ebensoviel wie China. Vielleicht ist es schon zu spät für uns im Westen, uns für unsere Ideale einzusetzen.

Also fahren alle nach Peking. Nach Tibet lässt uns ja keiner, und was sollen wir sonst tun?