Die Kopftuch-Diskussion muss geführt werden wie die Diskussion über Kinderarbeit.

Selbstverständlich gibt es Kinder, die gerne arbeiten wollen. Als ich zwölf war, wollte ich unbedingt im Geschäft meiner Eltern mithelfen. Aber ich durfte nicht: Kinderarbeit ist verboten.
Warum? – Weil man nie herausbekommen kann, ob Kinder von innen heraus arbeiten wollen oder ob sie zur Arbeit gezwungen, gedrängt, genötigt, erpresst oder geködert werden.
Wir Kinder, die gerne gearbeitet hätten, durften nicht – und so haben wir zum Schutz der Kinder beigetragen, die sonst irgendwie zur Arbeit gezwungen worden wären: indem wir verzichtet haben.

Ich glaube gerne, dass es Frauen und Mädchen gibt, die von sich aus gerne ein Kopftuch tragen wollen, doch auch hier werden wir die Mischung der verschiedenen Motivationen nicht „von außen“ herausbekommen: Wollen sie wirklich, oder können sie die Wahrheit nur nicht sagen? Ist das Kopftuch ein freiwilliges modisches Accessoire, oder ein aufgezwungenes Zeichen der Unterwerfung der Frau unter den Mann, wie es in manchen Kulturen vorgeschrieben ist?

Um die zu schützen, die zum Kopftuch gezwungen, genötigt, gemobbt, erpresst oder bestochen werden, müssen die Mädchen und Frauen, die das Kopftuch gerne tragen wollen, vorübergehend dieses Opfer bringen. Um die Verletzlichen zu schützen müssen wir es allen verbieten.

Es wird ein großer Tag für die Freiheit wenn wir überall oder wenigstens in Deutschland so weit sind, dass es niemanden mehr gibt der Mädchen und Frauen zum Kopftuch nötigt, wenn alle diesen Aspekt der Gleichberechtigung verinnerlicht haben und wir deshalb das Verbot wieder aufheben können.