„Das Bananenblatt“ hat eine lange Reise hinter sich. Inzwischen ist der Kern die Transparenz in der politischen Debatte. Denn in diesen Tagen betreiben – wenn man genau hinsieht – nicht nur die Populisten, sondern alle Parteien heftigst Populismus.

Meine Lieblings-Rhetorik-Nebelkerzen-Stilfiguren wie falscher Gegensatz, falsche Zuschreibung, absolute Überhöhung, Drama-Dreieck und so weiter sind inzwischen im Alltagsjournalismus auch in den Online-Präsenzen der besten deutschen Blätter präsent.

Hier versuche ich, diese rhetorischen Mittel transparent zu machen, damit wir wieder zu einer sachlichen Debatte zurückfinden.

Dabei hat das Blog eine Meinung. Wenn ich rhetorische Tricks enttarne bin ich ziemlich demokratisch und teile nach allen Seiten aus, doch am Ende habe ich ein paar Überzeugungen, und ich halte nichts davon, diese Überzeugungen unter den Teppich zu kehren. Gleichzeitig bin ich ein Freund des Mittelweges, d.h. ich bin offen für sinnvolle Argumente in jede Richtung. Sinnvoll bedeutet dabei: korrekte Gegensätze, korrekte Zuschreibungen, alles anständig in Perspektive gesetzt, Täter und Opfer sauber auseinandergehalten und so weiter.

Diese Überzeugungen sind:

    1. Die Menschenrechte sind das höchstes Ideal der Politik. Dabei gibt es praktische Grenzen gibt. Das sind zum Beispiel:
      • Die Ressourcen der Welt sind begrenzt, die Ressourcen einzelner Staaten noch viel mehr.
      • Die Rechte des Einen enden da, wo sie die Rechte anderer berühren.
      • Staaten haben das Recht und die Pflicht, ihre Untertanen zu schützen und in dieser Hinsicht besser zu behandeln als nicht-Untertanen.
    2. Ich bin überzeugter Europäer. Ohne so etwas wie die „Vereinigten Staaten von Europa“ wird Europa in den nächsten Jahrzehnten zwischen USA, China, Russland und dem nahen Osten zerrieben.
      Das gilt analog auch für die Währungen. China setzt gerade dazu an, im Zollstreit damit zu drohen, die Zinsen in den USA hochzutreiben. In ähnlicher Weise können über die einzelnen europäischen Währungen (Pfund, Mark, Lira, Schilling, Franc, …) die Länder angegriffen werden. Nur indem wir den Euro zusammenhalten können wir uns gegen diese Form von Erpressung ein wenig schützen.
    3. Wir laufen auf einen Krieg der Kulturen zu. Auf der einen Seite die Vertreter der Allgemeinen Deklaration der Menschenrechte, auf der anderen Seite die Vertreter der Scharia, pointiert: der Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam. Offensichtlich sind alle Vertreter der zweiten Fraktion Moslems, die Umkehrung zu behaupten wäre genau ein falscher Gegensatz.
    4. Ich glaube nicht an die Legende vom Romantischen Wilden, dass die Gesellschaft in ihrer ursprünglichen Form irgendwie erstrebenswerter ist. Wir haben zwei Jahrtausende praktisch ununterbrochen Krieg gebraucht um auf diversen Umwegen von den antiken Griechen zu den modernen Menschenrechten zu kommen, und wenn wir nicht aufpassen haben wir in Nullkommanix wieder Chaos wie zuletzt im 30jährigen Krieg, nur mit modernen Waffen.
      Im Großen und Ganzen sind die „Erste-Welt-Staaten“ mehr um die Menschenrechte bemüht als alle anderen. Ausnahmen bestätigen die Regel: Alle Beteiligten sind Menschen, Menschen sind nicht perfekt.  Auch wenn es dabei mehr oder weniger peinlichen Pannen gibt ist das Ausmaß der korrekt im Hintergrund laufenden exekutiven, judikativen und legislativen Tätigkeiten atemberaubend. Es ist gut und richtig, auf Missstände hinzuweisen (das hält ehrlich), aber die heutige Bundesrepublik mit dem Dritten Reich zu vergleichen ist Quatsch. Wer 3.-Reich-Vergleiche ziehen will kann sich gerne im Nahen Osten umsehen, da gibt es genug Kandidaten, allen voran der Iran und die Türkei (vor allem nach den jüngsten Verfassungsänderungen).
    5. Auf (d) darf man sich nicht ausruhen.
      Es ist wichtig, die Erste-Welt-Staaten primär in ihrer Existenz als Leuchttürme der Menschenrechte zu schützen – sowohl nach „außen“ als auch nach „innen“ – damit wir von der ersten Welt aus die Menschenrechte vertreten können. Dieser Schutz hat hohe Priorität, denn wenn wir die Menschenrechte nicht mehr vertreten, tut es niemand.
    6. Überbevölkerung ist – auf der Zeitskala Jahrzehnte – ein existenzielles Problem für den ganzen Planeten.
    7. Andere Themen (aktuell: Umweltschutz – Plastikstrudel im Pazifik, #metoo, Özils Rücktritt) werden völlig über ihre angemessene Wichtigkeit hinaus breitgetreten.
      Das Phänomen hat in der Englischen Literatur den Namen „Bikeshed Color„, etwa: Die Farbe des Fahrradschuppens – das Phänomen dass zu Trivialitäten (eben der Farbe des Fahrradschuppens) ausnahmslos jeder etwas zu sagen hat, aber zu den wirklich wichtigen Fragen herrscht vornehmes Schweigen, wenigstens wenn es um praktikable Vorschläge geht.
      (Beispiele: Wie können wir die allgemeinen Schäden durch den Brexit minimieren? Wie gehen wir mit Präsident Erdogan um? Wie bekommen wir die US-Regierung wieder vom russischen Einfluss „geputzt“? Wie können wir das Seenot-Rettungs-Problem lösen – um ein paar Dinge zu nennen die am gleichen Tag wie Özils Rücktritt aktuell waren)

      • Plastikstrudel: Ja, das ist ein Problem. Eines von vielen. Der Strudel im Pazifik hat viel mit den Pazifikanrainern zu tun und wenig mit Europa.
      • #metoo – wer heute #metoo schreit sollte ich mit Händen und Füßen gegen die unkontrollierte Zuwanderung aus patriarchalischen Gesellschaften stemmen
      • Özils Rücktritt – die ganze Geschichte ist höchst unglücklich und gesäumt von Eigentoren. Der einzige echte Gewinner ist Erdogan. Zurück zur Tagesordnung.
      • Und so weiter, und so weiter…

Über einzelne Länder:

  1. Merkels „Willkommenskultur“ war ein gravierender Fehler (berücksichtigt den „Krieg der Kulturen“ nicht genug und hat den Brexit jedenfalls begünstigt).
  2. Der Brexit ist ein Fehler. Er wird lästig für die EU, aber existenzbedrohend für das Vereinigte Königreich von Großbritannien, und vor dem Hintergrund „Mühlsteine“ wird das noch ein ganz dickes Brett zu bohren.
  3. Die Türkei und Erdogan ist auf dem „besten“ Weg zu Diktatur / Diktator – und er hat Agenten in allen Europäischen Ländern (in Deutschland z.B. DITIB). Eine üble Kombination aus (2 – „Mühlstein“ Naher Osten) und (3)
  4. Israel ist Opfer, nicht Täter. (Die halbe arabische Welt spricht dem Staat seit seiner Gründung das Existenzrecht ab, Israel wurde in der Nacht nach der Staatsgründung zum ersten Mal angegriffen)

Das ist natürlich nur der Anfang. Schließlich ist das hier ein Blog, keine Schlauchwebseite – die Details kommen nach und nach in einzelne Artikel.

Darüber hinaus gibt es im Bananenblatt und vor allem auf dem begleitenden Twitter-Account „@bananalobby“ noch einen Haufen „Dies und Das“, das sich in der Kategorie „Off-Topic“ tummelt. Für vieles gibt’s inzwischen eigene Blogs, was noch keine neue Heimat gefunden hat ist meine Liebe zum American Football :-).

Aus historischen Gründen noch die „Über das Bananenblatt“-Seite wie sie ca. die letzten zehn Jahre mehr oder weniger unverändert bestand:

Was ist „Das Bananenblatt“

„Das Bananenblatt“ ist entstanden aus meinen „Reisetagebüchern“ während Geschäftsreisen nach Indien. Es hat aber schnell eine weitere Dimension erhalten. Der Adressatenkreis ist gewachsen, und das Thema wächst hoffentlich auch ein wenig

Was ist „Das Bananenblatt“

Das Bananenblatt tritt ähnlich einer Zeitung auf. Ursprünglich waren es nur ein paar Emails an meine Familie. Dann kamen ein paar Freunde dazu. Bei meiner zweiten Reise nach Indien im April 2003 geschah es dann: Vom ersten Tag an lag auf dem Weg vom Hotel ins Stadtzentrum ein Müllhaufen mitten auf der Straße – mit einem großen Bananenblatt obenauf. Das Bananenblatt wurde über die nächsten Tage mit ihren kurzen Reisegeschichten zum Running Gag – und der Titel „Bananenblatt“ war geboren. Also: Was ist das Bananenblatt? – Ein Weg, lustige Erlebnisse mit Freunden zu teilen.

Was ist „Das Bananenblatt“

Aber vielleicht ist es auch nicht ganz so einfach: Die Beobachtung der letzten drei Reisen zeigt auch, daß das Bananenblatt für mein ganz persönliches Wohlbefinden richtig wichtig ist: Meine kulturelle Offenheit ist immer noch nicht so weit gewachsen, daß ich den Sprung von Deutschland nach Indien ohne Kulturschock schaffe. Treue Leser des Bananenblattes haben bestimmt bemerkt, daß die Geschichten am Anfang einer Reise lang und bizarr sind und dann gegen Ende abflachen. Wahrscheinlich hilft sowohl die Zeit als auch das Schreiben dabei, den Kulturschock zu überwinden. Seid also gnädig mit den Artikelchen, Erlebnissen – und mit den anderen Beteiligten. Wir machen’s alle so gut wir können, aber nicht besser. Also: Was ist das Bananenblatt? – Umgang mit dem Kulturschock.

Was ist „Das Bananenblatt“

Last but not least hat das Bananenblatt noch eine dritte Aufgabe – die schon immer da war, aber jetzt zum ersten Mal ausgesprochen wird: Eine Atmosphäre von kultureller Offenheit zu vermitteln, den kulturellen Spiegel, den ich erlebe, mit euch zu teilen. Zugegeben, viele der Dinge die hier berichtet werden, sind nicht so wahnsinnig witzig, während man sie erlebt (obwohl das schon deutlich vereinfacht wird, wenn man sich überlegen kann wie man’s ins Bananenblatt schreibt :-)). Trotzdem und geradedrum: Wenn die Leser die Bereitschaft mitbringen, mitzulachen, kann man (hoffentlich) aus dem Bananenblatt viel über Kulturen lernen. Vor allem über die eigene. Wer sich also beim Lesen des Bananenblatts denkt „wie kann man nur…“ (oder auch gedanklich zu intensiveren Beschimpfungen greift) darf gerne einen Moment innehalten: Er ist gerade über eine seiner harten Annahmen gestolpert, daß Menschen sich immer so-und-so verhalten „müssen“. Warum „müssen“ wir eigentlich? Was passiert, wenn wir uns anders verhalten? Vielleicht war es ja irgendwann einmal sinnvoll – aber hat es diesen Sinn noch? Und so weiter. Also: Was ist das Bananenblatt? Ein kultureller Spiegel.