Indien beginnt in Deutschland – Anreise mit Hindernissen.

Eigentlich begann diese Indien-Tour ja schon vor zwei Wochen, wurde dann aber kurzfristig verschoben. Am Freitag war ich noch einmal kurz im Sekretariat: „Es ist alles in Ordnung mit dem Flug morgen, oder?“ – „Jaja… stimmt doch, (Name), oder?“ – „Ja, klar“.

„Und der Wagen kommt um sieben, oder“ … betretene Stille … „Welcher Wagen?“

Es stellte sich heraus, daß eine Auszubildende die Reise vorbereitet hatte. Ihre Betreuerin ist eine Teilzeitkraft und war schon weg, und die dritte im Bunde hat sich auf die anderen beiden verlassen. Woran’s am Ende lag ist relativ egal, die Lage war jedenfalls die: Der Flug war OK, über den Wagen zum Flughafen war nichts bekannt und über das Hotel gab es keine Bestätigung. Merke: Im Umgang mit Indien sollte man sich wichtige Dinge immer ausdrücklich bestätigen lassen. Ich ließ also die Damen erstmal in Ruhe und erhielt kurz darauf das telefonische OK: Alles in Ordnung, Fahrer kommt um sieben, Hotel erwartet mich schon sehnsüchtig.

Dabei war mir dann sogar schon wieder egal, ob das Hotel verspricht, mich vom Flughafen abzuholen. Die Worte meines Mentors für indische Angelegenheiten bei unserer ersten Reise nach Bangalore klingen mir noch zu deutlich im Ohr: „Herzlich willkommen in Bangalore – unser Fahrer ist nicht da.“ (unnötig zu sagen daß einer zugesagt war 🙂 Ein Versprechen des Hotels hat also auch nur bedingten Wert, aber sogar bei Ankunft um 1:00 morgens komme ich inzwischen ohne Fahrer heil ins Hotel.

Wir schalten geistig auf den „großen Tag“, den Samstag. Tatsächlich, um 7:00 klingelt’s, der Fahrer holt mich ab und fährt einen Kollegen und mich zum Flughafen. Alles kein Problem. Im Wartebereich stehe ich neben der Toilette (wegen Überfüllung geschlossen…), als ein freundlicher Herr mit Putzklamotten die Porzellanabteilung betritt. Er greift zum Zettelhalter an der Wand, zeichnet ab daß er die Toiletten gesäubert hätte, geht zur Damentoilette nebenan und tut das gleiche. Äh… moment…

Naja, ein paar Minuten später steigen wir alle ein. Nach der Ansage „Boarding Completed“ dauert es auch nur eine halbe Stunde bis zur nächsten Ansage: Der Kapitän bittet um Geduld, Stau auf der Rollbahn. Mit nur einer Stunde Verspätung gingen wir dann tatsächlich in die Luft. Sympathischer war dagegen die nächste Durchsage. Nachdem kurz ein Steward durch die Reihen ging und einigen meiner indischen Mitpassagieren irgendetwas ins Ohr flüsterte, was sie offensichtlich sehr erfreute, lüftet der Kapitän das Geheimnis. Offensichtlich war’s dem Steward zu dumm geworden… Indien hat Pakistan nach einem spannenden Match im Kricket besiegt! Das halbe Flugzeug jubelt, die andere Hälfte erschrickt über den plötzlichen Begeisterungsausbruch. Schön daß die Leute sich so freuen können 🙂

Die Landung naht… man stählt sich innerlich und bereitet sich auf ein paar „Bananenblatt“-Episoden vor. Doch nein, die Pause an der Einwanderungsbehörde verläuft praktisch ereignislos. Na gut, man hat halt ein zweiteiliges Formular ausgefüllt, ein Teil für die Einreise, ein Teil für die Ausreise – und im Moment war nur der Einreise-Teil benötigt, der Rest wird weggeworfen. Wenn’s weiter nichts ist 🙂
Auf zum Gepäck. Der Flughafen von Bangalore ist der einzige den ich kenne, bei dem das Handgepäck bei der Einreise geröntgt wird. Normalerweise ist er auch sonst für ein paar Überraschungen gut, aber nein, wieder nix. Dann hat mich doch bestimmt das Hotel vergessen, oder? Nein, nach der Kontrolle kommt ein freundlicher Herr im grauen Anzug auf mich zu: „Welcome to Bangalore, Mr. (name).“ – er hat mich sogar wiedererkannt! Auf dem Parkplatz stellt er mich seinem Kollegen, dem Fahrer, vor und geht wieder hinein, um die restlichen drei Passagiere zu erwarten.

Parkplatz… 30°C um ein Uhr morgens… flackernde Lichter, riesengroße Plakate, ständiges Geschnatter… Bangalore… endlich wieder einmal angekommen. Nein, hier geht nichts mehr schief. Der Fahrer bietet mir eine Flasche Mineralwasser an (wow… super-aufmerksam, fährt mich zum Hotel, dort liegen meine Papiere schon bereit. Ich bekomme wieder ein Zimmer auf dem „grünen“ 3. Stockwerk. Diesmal habe ich sogar einen Balkon, alle Lichter gehen. Ich kann mich also ganz gemütlich ausschlafen.

Respekt… da können sich ein paar Hotels in Deutschland eine Scheibe abschneiden.